Run auf Jodtabletten in den USA
- Zum Schutz vor Nuklear-Terror
- Enorme Nachfrage in Regionen Washington und New York
Zum Schutz vor einem befürchteten nuklearen Terroranschlag, einer "Dirty Bomb"-Explosion oder einem Attentat auf ein Atomkraftwerk decken sich immer mehr Amerikaner präventiv mit Jodtabletten ein. Die rezeptfrei erhältlichen Pillen werden zwar von Medizinern zum Schutz der Schilddrüse vor Krebs empfohlen, bieten aber keine Hilfe gegen radioakative Stoffe wie Cäsium, Kobalt oder Strontium, die etwa bei einer "Dirty Bomb"-Explosion freigesetzt werden können.
Trotzdem versuchen sich nun hunderttausende US-Bürger mit dem vorsorglichen Kauf von Jodtabletten für den Ernstfall zumindest teilweise zu wappnen.
Enorme Nachfrage bestehe besonders in der Region Washington DC und New York, erklärt Troy Jones, Chef der Firma Nukepills.com. Dort wird offenbar ein neuer Anschlag am stärksten befürchtet. "Jedes Mal, wenn (Verteidigungsminister) Rumsfeld oder (der Direktor für innere Sicherheit) Ridge am Bildschirm erscheinen, fangen bei uns die Telefone zu glühen an", schilderte Jones gegenüber der "Washington Post" (Montagausgabe). Vor dem 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag, für den bereits landesweit vor Terroranschlägen gewarnt wurde, erwartet er einen neuen Verkaufsboom.
Die meisten Käufer möchten aber Stillschweigen über die Jodpillen bewahren. Besonders Behörden und Unternehmen wollten die präventiven Anschaffungen diskret behandeln - "es ist, als ob sie Sex-Spielzeug kaufen", wundert sich Jones. Eine Packung mit 14 Tabletten kostet bei Nukepills.com 9,95 Dollar (10,37 Euro). Potenzielle Käufer können sich auf einer Karte im Internet (http://www.nukepills.com) auch gleich über das ihrem Wohnort am nächsten gelegene Atomkraftwerk informieren.
Vor den Anschlägen vom 11. September waren Jodtabletten in den USA primär von Mitarbeitern von Kernkraftwerken und Anrainern der AKW-Anlagen gekauft worden. Die Nuklear-Industrie stand laut "Washington Post" ursprünglich einer weiteren Verbreitung, etwa als Grundausstattung in Notfallpaketen, skeptisch gegenüber, da dadurch das Unfallrisiko von AKWs zu sehr in den Vordergrund gerückt werde. Andere Experten warnten vor einer "falschen Sicherheit" durch Jodtabletten, die zwar die Schilddrüse schützen, aber gegen die sonstigen gesundheitsschädigenden Folgen von Radioaktivität nichts ausrichten können.
Auch der Absatz von tragbaren Strahlenmessgeräten hat in den vergangenen Monaten zugenommen. Im Fernsehen wird seit kurzem für ein "handliches batteriebetriebenes" Gerät geworben, mit dem ansteigende Radioaktivität noch vor den offiziellen Warnungen erkannt werden könne. Wer durch den Spot aufgeschreckt wird, kann sofort bei einer Hotline telefonisch bestellen.
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