Tarifkonflikt in der dt. Baubranche ist beigelegt
- Lohn- & Gehaltserhöhung von 3,2 Prozent ab 1. September.
Der Tarifkonflikt in der deutschen Baubranche ist nach sechstägigem Streik (Bild) beigelegt: Unter Moderation des CDU-Politikers Heiner Geißler einigten sich die Gewerkschaft IG BAU und die Arbeitgeber am Dienstag morgen nach 22-stündigen Verhandlungen auf eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 3,2 Prozent ab 1. September.
Am 1. April 2003 steigen die Löhne und Gehälter nochmals um weitere 2,4 Prozent. Zudem erzielten beide Seiten eine Einigung über die Mindestlöhne. Geißler sprach von einer sehr guten Lösung für einen der schwierigsten Tarifkonflikte der vergangenen Jahre. Die Gewerkschaft IG BAU zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis, während die Arbeitgeberseite von einem Kompromiss "an der Schmerzgrenze" sprach.
Der Streik auf den deutschen Baustellen, zu dem am Dienstag nochmals rund 32.000 Beschäftigte aufgerufen waren, wird nach Angaben von IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel vom Mittwoch an ausgesetzt: "Wir haben dieses Ergebnis nur erreicht dank unseres Arbeitskampfes", sagte er. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt werde allerdings den Ausstand in denjenigen Unternehmen fortsetzen, die nicht den Arbeitgeberverbänden angehören. Die Gewerkschaft will ihre Mitglieder über das Tarifergebnis in einer Urabstimmung befinden lassen.
Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Thomas Bauer, sagte nach dem Abschluss, das Verhandlungsergebnis sei "absolut an der Schmerzgrenze für alle Arbeitgeber der Bauwirtschaft in Deutschland." Angesichts des ersten Streiks in der deutschen Bauwirtschaft seit 1949 sei es aus Sicht der Unternehmen jedoch "das beste Ergebnis, das möglich war".
Heftige Kritik kam von den ostdeutschen Bauarbeitgebern. Ihr Verband bezeichnete das Ergebnis als nicht akzeptabel, weil den ostdeutschen Unternehmen damit wesentliche Wettbewerbsvorteile und Chancen für Aufträge verloren gingen. "Die wirtschaftliche Situation hätte eigentlich eine Nullrunde erfordert", erklärte Geschäftsführer Bernhard Senft vom Zweckverband Ostdeutscher Bauverbände im MDR.
Geißler, dessen offizieller Schlichtungsversuch am 1. Juni gescheitert war, sprach von dem "wohl schwierigsten Tarifstreit der letzten Jahre". Die Verhandlungen hätten in der Nacht zum Dienstag mehrfach auf der Kippe gestanden.


