Erstmals seit Februar 2000: € kletterte über 0,99 Dollar
- Euro auf Paritätskurs zur US-Währung
- WorldCom-Skandal schickt Dollar auf Talfahrt

·Kursverlust
US-Dollar setzt seine Talfahrt fort
Jubel bei Europas Bankern und Wirtschaftsbossen: Der Euro hat sich am Mittwoch im europäischen Devisenhandel schon knapp der Parität zum Dollar angenähert. Zum ersten Mal seit Februar 2000 durchbrach die Gemeinschaftswährung die Marke von 0,99 Dollar und wurde in der Spitze sogar mit 0,9941 Dollar gehandelt. In Moskaus Wechselstuben war der Euro schon mehr wert als der Dollar
Ursache für das Erstarken der europäischen Einheitswährung ist ein neuer Bilanzskandal in den USA, der die US-Währung auf Talfahrt schickte. "Die Parität zum Dollar wird schneller kommen als erwartet", gibt sich Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB), gegenüber der APA überzeugt.
Am Dienstag nach Börsenschluss hatte der US-Telekomkonzern WorldCom Fehlbuchungen eingeräumt und damit einen Einbruch der Aktienmärkten in Europa und Asien ausgelöst. Zusätzliche belastend für den Dollar wirkten sich Zweifel an Devisenpolitik der US-Regierung aus, hieß es.
Laut Brezinschek wird der Dollar weiter schwach bleiben. Alles warte auf positive Unternehmensnachrichten, mit diesen sei aber frühestens erst im dritten Quartal zu rechnen. Erst wenn die Unternehmensnachrichten wieder besser werden, sei mit einer Erholung der US-Devise zu rechnen, meinte Brezinschek zur APA. Händler stellten sich laut Nachrichtenagentur Reuters bereits auf einen Anstieg des Euro über einen Dollar ein.
Die EU-Kommission in Brüssel begrüßte den Kursverlauf des Euros. Ein Sprecher von EU-Währungskommissar Pedro Solbes äußerte sich allerdings besorgt über die Auswirkungen einer möglicherweise zu großen Unbeständigkeit im Kurs der Einheitswährung. Der Euro sei bisher aber unterbewertet gewesen. Daher sei eine Erholung "mehr als willkommen", sagte Sprecher Gerassimos Thomas.
Nach Ansicht des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist ein höherer Euro-Kurs keine Konjunkturbremse. Im Konjunkturbericht Juni des Bankenverbandes hieß es am Montag, der Euro gelte bei einem Kurs von 0,96 US-Cent noch als unterbewertet. "Zudem stehen der aufwertungsbedingten Verteuerung der Exporte aus der Euro-Zone auch positive Effekte auf der Einfuhrseite gegenüber. So werden importierte Rohstoffe und Vorleistungen für die heimischen Unternehmen billiger."

