Massekredit für Libro noch offen: Okay der Finanz fehlt
- Kreise: "Banken weitgehend an Bord"
- Buchhandel gegen weitere Kreditvergabe

·LIBRO-KONKURS
Investoren wollen nur "Amadeus"
·Käufer in Sicht
Interessenten für Libro & Amadeus
Bis zum Donnerstag wollten die Gläubigerbanken über einen weiteren Kredit ("Massekredit") für die in Konkurs befindliche Buch- und Medienhandelskette Libro entscheiden. Die Entscheidung blieb allerdings aus, da die Finanzbehörde als Steuer- und Abgabengläubigerin noch nicht zugestimmt habe, hieß es nach der Sitzung am Nachmittag.
Die Banken seien laut Kreisen aber "weitgehend an Bord". Der Fachverband Buch und Medienwirtschaft (früher Bundesgremium des Buch- und Medienhandels) in der Wirtschaftskammer will gegen die Freigiebigkeit der Banken gegenüber dem in Konkurs befindlichen Libro-Konzern vorgehen.
Um das Schulgeschäft im kommenden Herbst zu sichern und Libro bis Oktober am Leben zu lassen, sind rund 11 Mio. Euro notwendig. Als Gegenleistung soll Masseverwalter Günther Viehböck auf Anfechtungen für im Ausgleich zurückgezahlte Kredite verzichten. Konkret geht es dabei um die im vergangenen Februar zurückgezahlten 19 Mio. Euro für einen Überbrückungskredit zur Finanzierung des damaligen Weihnachtsgeschäfts.
Ein "Massekredit" ist eine Verbindlichkeit, die ein Masseverwalter nach Eröffnung eines Konkursverfahrens eingeht, um das Geschäft für eine spätere aussichtsreichere Verwertung am Laufen zu halten. Ein derartiger Kredit ist gegenüber Altforderungen vorrangig gestellt.
Ohne derartige abermalige Bankenhilfe müsste der Masseverwalter jedenfalls kurzfristig die Schließung der Filialen beantragen.
Buchhandel gegen weitere Kreditvergabe
Der Fachverband Buch und Medienwirtschaft (früher Bundesgremium des Buch- und Medienhandels) in der Wirtschaftskammer will gegen die Freigiebigkeit der Banken gegenüber dem in Konkurs befindlichen Libro-Konzern vorgehen. "Wir haben Kontakt mit der EU aufgenommen und wollen festellen lassen, ob mit einer neuerlichen Finanzspritze von 11 Mio. Euro nicht eine Wettbewerbsverzerrung vorliegt", so Michael Kernstock, stellvertretender Obmann des Fachverbandes Buch- und Medienwirtschaft.
Auch die Vorgangsweise des Masseverwalters, der im Gegenzug für einen neuen Kredit auf die Anfechtung der im seinerzeitigen Ausgleich zurückgezahlten Kredite verzichten will, sei zu überprüfen.
"Während gesunde Klein- und Mittelbetriebe für bereits geringe Finanzierungsvolumen bei den Geldinstituten auf weniger Freigiebigkeit stoßen und von diesen mit zigfach abgesicherten Besicherungen traktiert werden", würden dem bankrotten Libro-Konzern Millionen Euro in den Rachen geworfen, empört sich der Fachverband in seiner Presseinformation über die Praxis der Banken.
Sie sei aber auch ein "Faustschlag ins Gesicht" aller klein- und mittelstrukturierten Unternehmen wie auch aller privaten Bankkunden, die letztendlich die verlorenen Millionen der Banken berappen müssten.

