Nach 1/2 Jahr Euro: Sehnsucht nach dem Schilling
- 1 Tag nichts einkaufen: Einkaufs-Boykott gegen die Preistreiber
- AK-Preistests zeigen: Teuerungsschraube wird gedreht!
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Ein halbes Jahr lang leben und rechnen wir schon mit dem Euro. Genug Zeit, um den Preiswächtern keinen Glauben mehr zu schenken, wenn sie zum wiederholten Mal rufen: "Die Teuerungswelle ist ausgeblieben!" Die Konsumenten wissen es besser - und wünschen sich weiterhin doppelte Preisauszeichnung. Im Internet kursiert sogar ein Aufruf zum Konsum-Boykott.
Die Bürger der Eurozone haben in der überwiegenden Mehrheit das Gefühl, dass die Preise bei der Einführung des Euro-Bargeldes Anfang 2002 generell aufgerundet wurden.
Im EU-Schnitt glauben 68,5 Prozent der Menschen an die durchgehende Aufrundung der Preise, weitere 15,1 Prozent nehmen eine fallweise Aufrundung an. Spitzen-Skeptiker sind die Niederländer (90 Prozent gehen von genereller Preis-Aufrundung aus).
Konsumenten wollen doppelte Preisauszeichnung
Die Eurobarometer-Umfrage zeigt auch, dass 72 Prozent der Menschen eine längere doppelte Preisauszeichnung wünschen. In Österreich sind es 74 Prozent. 70 Prozent der Menschen in der Eurozone denken bei Preisen immer oder häufig in ihrer alten vom Euro ersetzen nationalen Währung. In Österreich zahlen hingegen mit 57,7 Prozent relativ wenige Menschen geistig noch in Schilling. Über 40 Prozent der Österreicher geben an, beim Zahlen nicht mehr oder nur selten an den Schilling zu denken.
Aber dennoch rechnen 52 Prozent der Österreicher - und 68 Prozent der Eurozonenbewohner insgesamt - häufig oder immer die Preise um. Das dann zu 80 Prozent im Kopf, das Mitführen von Taschenrechnern und Umrechnungstabellen hat sich nicht durchgesetzt.
Medien halfen bei der Umstellung
Grund zur Freude liefert die Eurobarometer-Umfrage auch den Medien Europas. Denn 45,1 Prozent der Befragten gaben an, dass die Medien ihnen bei der Währungsumstellung am meisten geholfen hätten. Es folgten mit je gut 34 Prozent Familie/Freunde und Banken. 21 Prozent kamen ganz ohne Hilfe über die Runden. Schlusslicht mit 3,3 Prozent im Index der Hilfreichen waren die EU-Institutionen.
(T)€URO
Die Wenigsten glauben heute noch, dass mit dem Euro keine Teuerungswelle gekommen wäre. Fast alles, was im Vorjahr 10 Schilling gekostet hat, muss uns heuer einen Euro wert sein. Und ein gemütlicher Kneipenabend, einst mit 150 Schilling zu veranschlagen, schlägt jetzt mit 20 Euro zu Buche.
Wer erinnert sich noch an die Sorge vor einer Münzen-Schwemme mit dem vielen Euro-Kleingeld? In der Praxis haben wir kein Problem damit. Denn wir zahlen fast immer mit Scheinen, auch wenn der kleinste Schein schon 70 Schilling entspricht.
Konsum-Boykott?
Im Internet kursiert ein Aufruf, am 1. Juli den ganzen Tag kein Geld auszugeben, von 0:00 Uhr bis 0:00 Uhr nichts zu kaufen. Keine Lebensmittel, kein Benzin, keinen Kaffee, keine Zigaretten. Angenommen, dem Wirtschaftskreislauf entgehen pro Person nur 5 Euro - dann macht das bei 8 Millionen Österreichern 40 Millionen Euro aus! Wenn der Boykott greift, wäre das ein deutliches Zeichen des Protestes.

