Montag, 17. Juni 2002

Doch kein Bieter-Wettstreit um Kirch-Media

  • WAZ will nicht gegen Springer rittern
  • Amtgericht München startet Kirch-Insolvenzverfahren

Das Amtsgericht München hat gut zwei Monate nach ihrer Pleite das Insolvenzverfahren für die KirchMedia eröffnet. Der zuerst befürchtete Medienkrimi um die Überreste des einstigen Kirch-Imperiums findet nun doch nicht statt: Die WAZ will Springer die Gruppe kampflos überlassen.

Die Geschäftsführung der Mediengruppe WAZ will sich nicht auf ein Bietergefecht um den Kern des zusammengebrochenen Kirch-Imperiums einlassen. Das WAZ-Management sprach sich am Montagabend gegen eine Beteiligung an der insolventen KirchMedia aus. Das Amtsgericht München hatte zuvor mitgeteilt, dass das Insolvenzverfahren über das Vermögen der KirchMedia offiziell eröffnet worden ist. Damit ist der Weg frei für einen Verkauf weiter Teile des Unternehmens.

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die KirchMedia fiel der Startschuss für die offizielle Suche nach Investoren. "Jeder Tag, an dem sich die Sache Kirch in Richtung einer sinnvollen Lösung bewegt, ist ein gewonnener Tag", hieß es bei einer Gläubigerbank. Zur KirchMedia gehört auch der profitable Fernsehkonzern ProSiebenSAT.1. Springer bastelt dabei an einem Bündnis mit dem Heinrich Bauer Verlag.

Einstieg bei Kirch ergibt Sinn für Springer
"Eine Übernahme der KirchMedia durch Springer wäre schon eine Ironie der Geschichte", sagt ein Branchenkenner. Schließlich hatte Leo Kirch lange Jahre seinerseits versucht, sich gegen den Widerstand des Verlags eine Mehrheit am Springer-Verlag zu sichern. "Die Zeiten haben sich seither aber für alle Beteiligten geändert", hieß es in Finanzkreisen. Auch der Springer-Verlag stehe angesichts der zuletzt schwachen Entwicklung strategisch unter Druck. Ein Einstieg bei der KirchMedia ergebe Sinn.

17.6.2002 12:02