Sonntag, 23. Juni 2002

Brasilien erleichtert: Ronaldo dürfte fit sein

  • "Verspüre keine Schmerzen mehr und bin zuversichtlich"
  • Selbstbewusste Türken brennen auf Revanche

Mit einem schmerzfrei überstandenen Trainingstest hat Superstar Ronaldo am Montag Brasiliens Sorge um seinen Einsatz im Halbfinale gegen die Türkei am Mittwoch in Saitama zerstreut. "Ich verspüre keine Schmerzen mehr und bin sehr zuversichtlich, dass ich am Mittwoch spielen kann", sagte Ronaldo nach dem Training. Noch sind die Ärzte aber skeptisch, ob der Superstar auch 100 Prozent bringen kann. Am Mittwoch sind Sie auf NEWS Networld ab 13.30 Uhr live dabei.

"Wir müssen ihn langsam wieder heran führen", sagte Teamarzt Runco. "Wir werden ihn weiter genau beobachten und seine Trainingsintensität langsam steigern. Ich kann aber jetzt noch nicht sagen, ob er bis Mittwoch wieder sein volles Leistungsvermögen hat."

Eine Schrecksekunde gab es für Tormann Marcos: "Erst dachte ich, es ist etwas Schlimmes. Aber offenbar ist es kein großes Problem", sagte er über seinen Trainingsunfall, der beim Versuch, einen Eckball abzufangen, bei einem Zusammenstoß eine leichten Verletzung im rechten Oberschenkel erlitten hatte. Der Keeper, der von vielen Experten als Brasiliens bester WM-Torwart seit Jahren angesehen wird, leidet zudem schon seit längerem an einer chronischen Entzündung auf dem Rist des rechten Fußes, die ihn vor allem bei Abstößen behindert.

Scolari testet Alternativen
Bei Brasiliens Reservisten spielte diesmal in der 75-minütigen Trainingspartie gegen die Selecao der wegen seiner Roten Karte aus dem England-Spiel gegen die Türken gesperrte Ronaldinho mit. Für den 22-jährigen Matchwinner gegen England testete Trainer Luiz Felipe Scolari wechselweise Mittelfeldspieler Juninho Paulista und Stürmer Denilson. Dieser gilt neben Luizao und Edilson auch als Angriffs-Alternative, für den Fall, dass Ronaldo doch ausfallen würde.

Ronaldo nimmt Schiris in Schutz
Ronaldo bemühte sich, die Schiedsrichter-Diskussion abzuschwächen. "Referees sind nicht das wichtigste Element bei einem Fußball-Spiel. Ich glaube nicht, dass sie den Ausgang eines Spiels beeinflussen", sagte der 25-Jährige. Allerdings hatte die "Selecao" beim 2:1-Sieg im Gruppenspiel gegen die Türkei davon profitiert, dass der siegbringende Elfmeter eine klare Fehlentscheidung gewesen war.

Türken brennen auf Revanche
Nach der unglückliche Niederlage im Gruppenspiel am 3. Juni in Ulsan brennen die Türken auf Revanche. Die Erinnerung an die zweifelhafte Entscheidung des südkoreanischen Referees Joo Young Kim mit seinem Fehlpfiff drei Minuten vor dem Ende zum 2:1 verholfen hatte, stachelt den Ehrgeiz der Türken zusätzlich an. "Wir sind in diesem Spiel klar benachteiligt worden, denen wollen wir es nun zeigen", tönte Mittelfeldspieler Kerimoglu Tugay.

Rivaldo über Türken-Ansage sauer
Auf solche Kampfansagen reagierten die Brasilianer mit Kopfschütteln. "Ich weiß nicht, was die Türken mit ihren Revanche-Gelüsten wollen", schimpfte Rivaldo, "sie sollten uns dankbar sein, dass sie noch im Turnier sind." Erbost erinnerte der Angreifer an die Schützenhilfe für die Türken beim 5:2-Erfolg seiner Mannschaft im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica. "Hätten wir unentschieden gespielt hätten, wären sie schon längst zu Hause."

Ungeachtet der Favoritenrolle sind die Brasilianer weit davon entfernt, die Aufgabe gegen das Überraschungsteam zu unterschätzen. "Die Türken spielen besser als in der Vorrunde und sind ein gefährliches Team", warnte Verteidiger Cafu, der vor allem die taktische Disziplin des Gegners lobte.

Unermessliches Selbstvertrauen
Bei den Türken scheint das Selbstvertrauen nach den verdienten Siegen über Japan und Senegal grenzenlos zu sein. Die Zeiten, in denen man in Spielen gegen den Rekordchampion in Ehrfurcht erstarrte, sind für Abwehrchef Özalan Alpay vorbei: "Wir werden eine weitere goldene Seite in unserer Erfolgsgeschichte aufschlagen." Nicht minder groß ist der Erfolgshunger bei Flügelflitzer Hasan Sas: "Jetzt wollen wir alles, wir wollen den großen Coup. Wir sind die einzigen, die unseren Landsleuten inmitten der Wirtschaftskrise noch Freude bereiten."

23.6.2002 14:51