Dienstag, 18. Juni 2002

400.000 Protest-e-mails an die FIFA

  • Panini zieht Pickerl zurück Perugia feuert Ahn
  • Plus: Das Match, die Umfrage, das Meinungsforum, die Bilder

Empörte italienische Fußball-Fans haben den Weltverband FIFA mit einer noch nie da gewesenen Flut von E-Mails überschwemmt. Rund 400.000 elektronische Zuschriften sind seit dem heiß diskutierten WM-Ausscheiden von Ex-Weltmeister Italien gegen Gastgeber Südkorea (1:2) am Dienstag eingegangen. Dies teilte ein FIFA-Sprecher am Freitag mit.

Das E-Mail-System des Verbandes sei teilweise zusammengebrochen. Mittlerweile habe man Filter installiert, die die Mail-Welle aus Italien stoppt. Das Aus der "Squadra Azzurra" wird von vielen Schiedsrichter Byron Morena aus Ecuador angelastet.

Schon bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City hatte eine Schiedsrichter-Entscheidung beim Shorttrack zu einer großen E- Mail-Reaktion geführt. Damals trafen mehr als 30.000 elektronische Zuschriften aus Südkorea in den USA ein: Sie beklagten alle die umstrittene Disqualifikation eines koreanischen Eisschnellläufers zu Gunsten des US-Stars Apolo Anton Ohno.

Immer kurioser werden die Reaktionen nach dem WM-Out von Italien und der anschließenden "Kündigung" des Serie-A-Klubs Perugia für den südkoreanischen Goldtorschützen Jung-Hwan Ahn. Peter Velappen, Chef der asiatischen Fußball-Föderation, hat von den Vereinen seines Kontinents einen Boykott des AC Perugia gefordert. Den Vogel schoss aber Panini ab. Der weltgrößte Kleinbildchen-Hersteller zog aus Protest gegen vermeintliche Benachteiligung der Italiener die Bildchen mit den WM-Stars aus dem Handel zurück!

Südkoreas Teamchef Guus Hiddink (ein Porträt finden Sie im Kasten rechts) hat unterdessen die Entscheidung von Perugia-Chef Luciano Gaucci als "kindisch" bezeichnet. "Wenn etwa England gegen Frankreich spielt, wird dann Frank Lebouef oder Marcel Desailly nahe gelegt, nicht zu treffen", fragte sich der Niederländer in Taejon. Die Entscheidung ist so lächerlich, dass man gar nicht darüber sprechen sollte. Hätte ich Ahn sagen sollen, er spielt, darf aber kein Tor gegen die Italiener machen?" Der Welt-Fußballverband FIFA will sich aber in die Entscheidung nicht einmischen. "Das geht nur den Klub und den Spieler etwas an", erklärte Kommunikationsdirektor Keith Cooper.

18.6.2002 18:11