Freitag, 21. Juni 2002

Formel 1-Zahlenspiele der Superlative

  • Allein ein High-Tech-Lenkrad kostet 65.000 Euro
  • Preise der Team-Motorhomes: "A lot of money"

In 2,3 Sekunden von Null auf Hundert, Drehzahlen von bis zu 18.000 Touren - in der Formel 1 herrscht Zahlengigantomanie, wohin man sieht. Die Teams hinter den Stars stehen aber fest mit beiden Beinen auf dem Boden. Eine von Ratiopharm, dem Sponsor der Toyota-Teams, organisierte Führung gewährte am Nürburgring einen Blick hinter die Kulissen. Ganz wichtig: Shake-hands - und nicht die rote Linie in den Boxen überqueren!

Für neue Teams in der Königsklasse des Motorsports gibt es kaum Ruhepausen. Am Donnerstag um 21.00 Uhr ist nur noch in de Box von Toyota Betrieb. Der Motor von Alan McNish muss für das erste Training programmiert werden. Der ohrenbetäubende Lärm des Aggregates hält Gäste auf Distanz. Kaum ist der Motor abgestellt, darf besichtigt und fotografiert werden; aber nur von draußen. Sehr freundlich, aber ganz bestimmt wird auf die breite, rote Linie am Eingang hingewiesen - "bis hierhin und nicht weiter."

Programmierbares Getriebe
Tim vom Toyota-Team gibt aber freundlich und bereitwillig Auskunft. Die Balance-Gewichte müssen noch montiert werden. Sie sollen für perfekte Straßenlage sorgen. Das Getriebe wurde bereits programmiert. Die sechs Gänge können halbautomatisch oder manuell sortiert werden. Bremst der Fahrer vor einer Kurve und tippt einmal den Schaltknopf an, wird in Sekundenbruchteilen der ideale Gang eingelegt. Bei Geschwindigkeiten bis zu 340 km/h eine echte Arbeitserleichterung.

65.000 Euro für ein Lenkrad
Fürs Schalten und andere Einstellungen unbedingt notwendig ist ein rund 65.000 Euro teurer Teil: das Lenkrad. Es wird individuell an die Fahrerhände angepasst, hat acht Druck- und vier Drehknöpfe, mehrere Displays, auf der Rückseite die Schaltwippen und Kupplungshebel - und darf nicht fotografiert werden. Die Piloten können ihre Rundenzeiten ablesen, sehen, wenn die gelbe Flagge gezeigt wird, und können mit dem kleinen, teuren Wunderwerk während der Fahrt Einstellungen ändern.

Mechaniker arbeiten ruhig und konzentriert
Die Mechaniker-Crew der japanischen Firma arbeitet ruhig, leise und konzentriert. Die Unterhaltung erfolgt zu einem großen Teil in Deutsch. Gebaut werden die Boliden nicht in Japan, sondern nahe an der Rennstrecke, in Köln.

Tankschlauch wiegt 60 Kilo
Eine ganze Armada von Mechanikern ist bei einem Boxenstopp beschäftigt, erläutert der Toyota-Techniker. 24 Mann müssen in rund acht Sekunden Reifen wechseln, Kühler und Visier putzen und tanken. Allein der Tankschlauch wiegt 60 Kilo, Schwerarbeit für die Mechaniker. Beim Boxenstopp stehen die Boliden auf einem Kupferstreifen. Diese Erdung soll Funken vermeiden.

Wagenburg von Ferrari
Gigantisch sind nicht nur die Leistungswerte der Motoren, gigantisch sind auch die Motorhomes der Teams. Eine rote Wagenburg von Ferrari, daneben ein schmuckes Haus von McLaren. Auch BMW-Williams und Jaguar bieten optisch auffälliges. Dezent und unauffällig - aber dafür zu besichtigen - ist das "Bauwerk" von Toyota.

Duschen im Lkw-Anhänger
Zwei Lkw-Anhänger mit Vordächern bieten jeden Komfort und modernste Technik. Die Dächer werden hydraulisch ausgefahren, auch im ersten Stock beträgt die Raumhöhe zwei Meter. Neben Küche, Duschen und Massageräumen finden sich Besprechungszimmer und jede Menge Technik.

Kosten sind ein wohlgehütetes Geheimnis
Alle Computer sind vernetzt, erklärt der Führer und Teammanager, Peter Ball. Via Satellit stehen die Techniker mit dem Werk in Verbindung. Der Aufbau des mit Leder ausgekleideten Motorhomes dauert fast zwei Tage. Die Kosten sind ein wohlgehütetes Geheimnis: "A lot of money".

21.6.2002 11:44
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts