Der Besuch der "alten Dame" in Eastbourne
- Navratilova hat Wette verloren, aber 1.439. Match gewonnen

Eine verlorene Wette hat Martina Navratilova wie aus heiterem Himmel ein spätes Comeback und den 1.439. Einzel-Sieg ihrer unglaublichen Tennis-Karriere beschert. Die 45 Jahre "junge" US-Amerikanerin gewann am Dienstagabend ihr Auftaktmatch beim Rasenturnier im südenglischen Badeort Eastbourne mit 6:1,4:6,6:2 gegen die Russin Tatjana Panowa, nachdem sie fast acht Jahre lang kein Einzel mehr bestritten hatte.
Nach dem letzten Ballwechsel schaute die 20 Jahre jüngere und 20 Zentimeter kleinere Russin etwas irritiert drein, und die "Grand Dame" des Tennis genoss den verdienten Beifall für ihren überzeugenden Auftritt. "Das hat Spaß gemacht, und darauf kommt es doch an. Ich hatte mir nichts vorgenommen", versicherte die neunfache Wimbledon-Gewinnerin, die ihr letztes Einzel-Match am 15. November 1994 in New York bestritten und danach ihre Karriere für beendet erklärt hatte.
"Zweites Comeback"
Doch nach dem "Rückfall" im Doppel vor zwei Jahren folgte nun schon das zweite Comeback. "Jetzt freue ich mich auf das zweite Leben", hatte Navratilova vor siebeneinhalb Jahren nach ihrer Erstrunden-Niederlage beim Masters gegen Gabriela Sabatini angekündigt. Mit Tränen im Gesicht streichelte ihren "Trostpreis", eine Harley Davidson, und entschwand im Dunkel des Madison Square Garden.
Turnier gewonnen - Wette verloren
Nun tauchte sie wieder auf - und alles "verdankt" sie einer Wette, die eigentlich nicht zu verlieren war. "Wenn du das Doppelturnier in Madrid gewinnst, dann musst du auch wieder Einzel spielen", hatte Navratilovas Fitness-Trainerin gefordert. Die in Prag geborene Tschechin, die 1981 die US-Staatsbürgerschaft erhalten hatte, schlug spontan ein und verlor. Denn in Madrid siegte sie am 25. Mai im Finale an der Seite ihrer weißrussischen Partnerin Natascha Zwerewa. Es war ihr 166. Erfolg im Doppel. Sogar noch einen Triumph mehr hat die Linkshänderin bei Einzelturnieren gefeiert. Ob im Einzel oder im Doppel: Niemals hat bisher eine ältere Spielerin ein WTA-Turnier gewonnen.
Doppel und Mixed in Wimbledon
"Auf Rasen fühle ich mich zu Hause", erklärte Navratilova, die wohl deshalb auch wieder für Wimbledon (Doppel und Mixed) gemeldet hat. "Und ich glaube auch nicht, dass ich langsamer bin als vor zehn Jahren." Nicht die Brillenträgerin Navratilova verlor den Überblick, sondern die überrumpelte Russin Panowa. "Sie ist 45, ich bin 25 - und dann verliere ich. Es war dieser Altersunterschied, der mich am meisten enttäuscht hat."
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