EU-Treffen zu Ende: Einigung zu Immigration erreicht
- Hunderttausend marschierten gg. EU-Politik (Bilder siehe Kasten)
- Gipfel von fünft Bomben-Anschlägen überschattet
·Durcklicken!
Die Bilder von den Demonstrationen
·Hintergrund
Die EU-Abschluss- erklärung
·W. Schüssel
"Mit Immigrations-Paket zufrieden"
·EU-Beitritt
Türkei hofft auf Verhandlungen
·Bomben-Gipfel
Terror in Spanien: 5. Anschlag in Serie
·EU-Bürger
Mehrheit sieht Einwanderer positiv
Nach Abschluss des EU-Gipfeltreffens in Sevilla haben Zehntausende von Menschen in der südspanischen Metropole gegen die Politik der Europäischen Union demonstriert. Die Großkundgebung, zu der Globalisierungsgegner, Umweltschützer, Ausländergruppen, Pazifisten und Frauenrechtlerinnen aufgerufen hatten, verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle bei 39 Grad Hitze in festlicher Atmosphäre. Beim Gipfel haben sich die 15 EU-Staats und Regierungschefs zum Kampf gegen die illegale Immigration einigen können.
Wie die Polizei am frühen Sonntagmorgen mitteilte, wurden lediglich zwei Demonstranten, die sich am Rande der Kundgebung mit Beamten angelegt hätten, festgenommen.
Die Veranstalter bezifferten die Zahl der Teilnehmer auf bis zu 200.000, die Polizei sprach von 45 000 Demonstranten. Sie zogen mit Trommeln und Pfeifen durch die Straßen der andalusischen Hauptstadt. Die Kundgebung stand unter dem Slogan: "Gegen das Europa des Kapitals - eine andere Welt ist möglich." Die Demonstration ging mit einem nächtlichen Musikfestival zu Ende. Die Veranstalter hatten 450 Ordner aufgeboten, um Gewalttaten zu verhindern.
Zuvor hatten Globalisierungskritiker auf einem "Gegengipfel" gegen die Einwanderungspolitik der EU protestiert. Sie verlangten, die Immigranten nicht als eine Bedrohung zu betrachten, sondern als eine Notwendigkeit und Bereicherung. Die Teilnehmer warfen der EU vor, mit ihrer Sicherheitspolitik das Europaparlament zu umgehen. "Die Militärpolitik der EU ist eine riesige Geheimniskrämerei", sagte der Sprecher Arcadi Oliveres. "Viele militärische Vorhaben wären vom EU-Parlament abgelehnt worden." Etwa 100 Teilnehmer des Treffens besetzten zeitweise eine Kirche in Sevilla, während dort gerade eine Hochzeit stattfand.
Reihe von Beschlüssen beim EU-Gipfel
Mit einer Reihe von Beschlüssen ist das EU-Gipfeltreffen in Sevilla am Samstag zu Ende gegangen. Fünfzehn EU-Staats- und Regierungschefs haben sich zum Kampf gegen die illegalen Immigration, dem Erweiterungsfahrplan und Reformen der Arbeitsweise im EU-Ministerrat einigen können. Der spanische Ministerpräsident und EU-Ratsvorsitzende Jose Maria Aznar sagte nach den Beratungen, die illegale Immigration solle begrenzt werden, aber unter Achtung der Menschenrechte. Einen entschiedenen Kampf sagte die EU dem Schlepperunwesen an, mit dem jährlich viele Milliarden Euro "umgesetzt" werden.
"Maßnahmen" statt Sanktionen gegenüber Drittländer
Aznar betonte, die EU habe ein "realistisches, ausgewogenes und umfassendes Maßnahmenpaket ohne Demagogie" zu Einwanderung und Asylpolitik geschnürt. Die Zuwanderung sei "positiv", wenn sie legal erfolge und die Zuströme kontrolliert würden. Den kooperationswilligen Herkunfts- und Transitländern solle verstärkte Entwicklungshilfe zugesagt werden. Gegenüber den anderen Ländern behalte sich die EU "Maßnahmen" vor, die Aznar nicht näher beschrieb. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi betonte seinerseits bei der gemeinsamen Pressekonferenz, Europa solle "keine Festung" werden. Schärfer als bisher wollen die EU-Staaten gegen "mafiöse Schlepperbanden" vorgehen. Dazu wurde ein präzises Aktionsprogramm beschlossen. Für die Behandlung von Asylwerbern sind gemeinsame EU-Standards geplant.
EU-Grenzpolizei nur langfristiges Ziel
Ein besserer Schutz der EU-Außengrenzen soll durch eine engere Absprache der Mitgliedstaaten erreicht werden. Dabei wird es laut Aznar insbesondere um die Rückweisung illegaler Zuwanderer gehen. Die Einrichtung einer europäischen Grenzpolizei wurde dagegen nur als langfristiges Ziel ins Auge gefasst.
Reformen bei EU-Ministerräten
Zur Reform der Arbeitsweise der EU-Ministerräte erläuterte Aznar, dass bis zum EU-Gipfel im Dezember in Kopenhagen ein Bericht über die künftige Handhabung der derzeit alle sechs Monate wechselnden EU-Präsidentschaft ausgearbeitet werden soll. Die Zahl der Fachräte soll auf neun gekürzt werden, die Sitzungen teilweise öffentlich sein. Der "Allgemeine Rat", in dem die fünfzehn EU-Außenminister regelmäßig zusammenkommen, soll in Zukunft laut Aznar in zwei Funktionen aufgeteilt werden. Er soll einerseits die Arbeiten der übrigen Räte koordinieren, andererseits Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik beraten. Die Reformen sollen bereits ab Juli unter dänischem EU-Vorsitz in Angriff genommen werden.
Erweiterung: Verhandlungsabschlüsse in Reichweite
Vor dem Hintergrund wachsender Nervosität in den Kandidatenländern beteuerten sowohl Aznar wie Prodi, dass am vereinbarten Erweiterungsfahrplan festgehalten werde. Spanien konnte 83 Verhandlungskapitel mit den Beitrittswerbern abhaken. Damit rücke das Ziel eines Verhandlungsabschlusses zu Jahresende in "Reichweite". Anfang November sollen die Bewerber "alle finanziellen Elemente" der EU-Position in Händen halten, zu denen auch die umstrittenen Agrar- und Regionalförderungen gehören.
Wenn der Beitrittsvertrag Anfang 2003 unterzeichnet und anschließend von EU-Parlament und nationalen Parlamenten ratifiziert werde, könnten "maximal" zehn Länder im Frühjahr 2004 an der Europa-Wahl teilnehmen, versicherte Prodi. Allerdings dürfe "keine Minute mehr verloren" werden. Mit den Kandidatenländern trafen die EU-Gipfelteilnehmer zum Abschluss noch zu einem gemeinsamen Mittagessen zusammen.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Mordalarm in Wien10:53
Zu Tode geprügeltMann sagte nach Schlägerei bei der Polizei aus - nun folgte die Rache
