Mittwoch, 19. Juni 2002

40.000 Menschen starben 2001 durch Katastrophen

  • Das Jahr der Erdbeben
  • Weltkatastrophenbericht 2002 des Roten Kreuzes

Im vergangenen Jahr sind rund 40.000 Menschen durch Katastrophen ums Leben gekommen. Das waren doppelt so viele wie im Jahr zuvor, allerdings bedeutend weniger als im Durchschnitt der Jahre 1992 bis 2001. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 170 Millionen Menschen von Katastrophen betroffen. Das geht aus dem Weltkatastrophenbericht 2002 des Internationalen Roten Kreuzes hervor.

Die meisten Todesfälle wurden 2001 durch Erdbeben verursacht: Mehr als 20.000 Menschen starben in Indien, El Salvador und Peru. 2001 waren insgesamt 19 Millionen Menschen von Beben betroffen, mehr als in irgend einem anderen Jahr des Jahrzehnts. Erstmals in diesem Zeitraum starben mehr Menschen durch geophysikalische als durch wetterbedingte Katastrophen. Diese hatten in den neunziger Jahren mehr als 70 Prozent aller Katastrophentoten verursacht.

In dem Jahresbericht des Roten Kreuzes sind exakt 21.355 Erdbebentote registriert. 4.680 Menschen starben durch Überschwemmungen, 1.730 durch Stürme, 1.653 durch extreme Temperaturen, 692 durch Lawinen oder Erdrutsche. Fast 9.000 Menschen kamen bei katastrophalen Unfällen ums Leben. Für 2001 wurden Schäden von 25 Milliarden Euro errechnet, bedeutend weniger als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre, wo jährlich Schäden von 73 Milliarden Euro ermittelt wurden.

Höhe der Schäden hat sich verfünffacht
Die Höhe der wirtschaftlichen Schäden, die durch Naturkatastrophen entstanden, hat sich in den vergangenen drei Dezennien nahezu verfünffacht. Von 1970 bis 1979 waren es 131 Milliarden US-Dollar (139,0 Mrd. Euro), im Jahrzehnt darauf 204 (216 Mrd. Euro), von 1990 bis 1999 bereits 629 Milliarden US-Dollar (667 Mrd. Euro).

Die Zahl der von Naturkatastrophen betroffenen Menschen war in den neunziger Jahren mit fast zwei Milliarden etwa drei Mal so hoch wie in den Siebzigern, die Zahl der Toten hat sich um mehr als die Hälfte auf rund 800.000 reduziert. Martina Schloffer, die Leiterin der Internationalen Hilfe des Österreichischen Roten Kreuzes, führt die Reduktion der Zahl der Toten darauf zurück, dass "reaktive Hilfe" jetzt funktioniert. Die Organisation plädiert für die Intensivierung der Katastrophenvorsorge. "Nur langfristige Vorbeugung statt Konzentration auf kurzfristige, medienwirksame High-Tech-Hilfe - so notwendig sie oft ist - kann die andauernden Rückschläge durch Katastrophen in Entwicklungsländern vermeiden", erklärte Schloffer. Das Rote Kreuz appelliert an die Geberländer, dafür mehr Mittel aufzuwenden. ECHO, das Amt für humanitäre Hilfe der EU, wende nur 1,5 Prozent seines Budgets für Vorsorge auf.

Als Beispiel für effiziente Prävention nennt das Rote Kreuz funktionierende lokale Katastrophenpläne in Kuba, die nach dem Hurrikan "Mitch" im Jahr 2001 die Evakuierung von 700.000 Menschen ohne internationale Hilfe ermöglichten. In einem ebenfalls durch Wirbelstürme gefährdeten 110 Kilometer langen Küstenabschnitt Vietnams pflanzte das Rote Kreuz Mangroven. Vor zwei Jahren stoppten sie die Zerstörungskraft des Taifuns "Wukong". Die Schäden waren gering, die Lebensgrundlagen der Menschen wurden nicht zerstört. Darüber hinaus erspart sich das Land nun jedes Jahr sieben Millionen Dollar (7,43 Mill. Euro) für die Instandsetzung beschädigter Deiche.

19.6.2002 09:08