Dienstag, 18. Juni 2002

Chaos in der Luft: Europas Fluglotsen haben gestreikt

  • Frankreich hauptbetroffen
  • AUA musste drei Kurse streichen

Nach dem europaweiten Streik der Fluglotsen hat sich in Frankreich der Flugverkehr am Donnerstag normalisiert. Leichte Verspätungen im Inlandsverkehr seien durch das regnerische Wetter bedingt, sagte am Donnerstag in Paris ein Sprecher der Fluggesellschaft Air France. Frankreich war durch die Arbeitsniederlegung am Mittwoch besonders schwer betroffen.

Auf den Inlandsstrecken kam der Verkehr fast vollständig zum Erliegen. Die Fluglotsen protestierten gegen EU-Pläne über einen einheitlichen europäischen Luftraum, weil sie dadurch einen drastischen Stellenabbau befürchten. In Deutschland und in Österreich beteiligten sich die Lotsen nicht am Streik. Die Austrian Airlines (AUA) mussten drei Kurse nach Frankreich absagen. Bei Flügen nach Griechenland kam es zu Verspätungen.

Hunderte Flüge ausgefallen
In Deutschland fielen rund 200 Flüge, vor allem nach Frankreich, aus. Betroffen waren nahezu alle großen deutschen Flughäfen. Allerdings blieb das befürchtete Chaos aus. Urlauber waren kaum betroffen. Die Ausnahme: In Griechenland saßen mehrere hundert Touristen unter anderem auch aus Deutschland auf Flughäfen zum Teil länger als einen halben Tag fest.

Der Verband der europäischen Fluglotsen-Gewerkschaften ATC protestierte mit der Aktion gegen Pläne der Europäischen Union (EU) für eine so genannte Single-Sky-Initiative. Neben der Zusammenführung der bislang nationalen Flugzonen in einen einheitlichen europäischen Luftraum ist auch die Ausschreibung der Flugsicherung geplant. Die Lotsen-Gewerkschaften sehen darin einen Einstieg in die Privatisierung der Flugsicherheit und befürchten einen Qualitätsverlust.

Frankreich: 90% der Flüge gestrichen
In Frankreich waren nach offiziellen Angaben der Luftfahrtbehörde rund 90 Prozent aller Flüge gestrichen. Dort streikten fast sämtliche Lotsen rund 16 Stunden. In anderen Ländern, wie Portugal, Griechenland, Italien und Ungarn, war der Streik nur für wenige Stunden angesetzt. So fielen auch in Deutschland lediglich Flüge von und nach Paris und anderen französischen Flughäfen aus. Nach ersten Schätzungen wurden rund 200 Verbindungen gestrichen. Dagegen fielen alleine auf den beiden großen Pariser Flughäfen Orly und Charles-de-Gaulle mehr als 1.800 der insgesamt gut 2.100 geplanten Flüge aus.

Alleine die Lufthansa als größte Fluggesellschaft in Deutschland strich nach eigenen Angaben bundesweit 130 Flüge von und nach Frankreich. Lediglich zehn Flüge fanden nahezu planmäßig statt. Zusätzlich strich die Gesellschaft Verbindungen ins spanische Baskenland wegen eines dortigen Generalstreiks. Ansonsten gab es teilweise veränderte Abflugzeiten.

Arbeitgeber verständnislos
Lufthansa-Chef Jürgen Weber kritisierte auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Köln den Streik der Fluglotsen. "Es ist nachgerade absurd, dass in dieser Situation ein europäischer Fluglotsenverband für heute zu Streiks aufruft, um gegen einen gemeinsamen europäischen Himmel Front zu machen und sich für die Beibehaltung der zersplitterten Strukturen einzusetzen".

Die meisten Passagiere waren bereits am Vortag über den Streik informiert worden und kamen am Mittwoch gar nicht erst zum Flughafen. "Hier war alles ganz ruhig", sagte eine Sprecherin der Frankfurter Flughafen-Gesellschaft Fraport. Das von einigen erwartete Chaos habe es nicht gegeben. Am größten deutschen Flughafen wurden lediglich 76 der täglich rund 1250 Flüge gestrichen. Ähnlich sah es auf anderen deutschen Flughäfen aus.

Größere Sorgen als der Fluglotsenstreik hat den Reiseveranstaltern allerdings der Generalstreik in Spanien bereitet. Hin- oder Rückflüge für gut 20.000 Urlauber sind auf Mittwoch vorgezogen oder auf die Nacht auf Freitag verschoben worden.

18.6.2002 14:58