Dienstag, 18. Juni 2002

USA wollen weiterhin Regierungswechsel im Irak

  • Prinz Abdullah von Saudiarabien warnt USA vor Konsequenzen

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat bekräftigt, dass die USA weiterhin einen Regierungswechsel im Irak anstreben. Die Bedrohung der USA durch das irakische Programm zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen wachse "mit jedem Tag", sagte Rumsfeld am Montag. Kronprinz Abdullah von Saudiarabien hat die USA allerdings vor den verhängnisvollen Konsequenzen eines Militärschlags gegen den Irak gewarnt.

Pläne für mögliche präventive Militäreinsätze wollte Rumsfeld nicht kommentieren. "Nennen Sie es Verteidigung, wie ich es tue, oder nennen Sie es Vorbeugung", sagte Rumsfeld mit Blick auf den Afghanistan-Krieg. Ein Militäreinsatz sei die einzige Lösung "für diese Art von Problem".

Der irakische Außenminister Nadshi Sabri nannte die Umsturzpläne der USA "nichts Neues". Washington versuche dies bereits seit 30 Jahren. Am Sonntag hatte die "Washington Post" berichtet, US-Präsident George W. Bush habe dem Geheimdienst CIA grünes Licht für eine Beseitigung des irakischen Machthabers Saddam Hussein gegeben. Demnach dürfen CIA-Agenten und US-Spezialkräfte den Staatschef töten, wenn dies ihrer Selbstverteidigung dient. Diese Anfang des Jahres erteilte Erlaubnis sei Teil eines Umsturzplans. Außerdem sehe die Anordnung die Unterstützung irakischer Oppositionsgruppen im In- und Ausland vor.

Kronprinz Abdullah von Saudiarabien warnt USA vor Irak-Angriff
Ein solches Vorgehen der Amerikaner würde unabsehbare Gefahren nicht nur auf die Region, sondern auf die gesamte Welt heraufbeschwören, erklärte der Thronfolger und Regent am Dienstag nach einem Bericht der offiziellen Nachrichtenagentur SPA.

Es bestehe kein Zweifel daran, dass der irakische Staatschef Saddam Hussein Fehler begangen habe, aber jede "Aggression", ob sie von ihm ausgehe oder gegen ihn gerichtet sei, wäre außerordentlich gefährlich, sagte der Prinz nach Angaben der Agentur bei einer Zusammenkunft mit amerikanischen Pressevertretern. Die "Washington Post" hatte am Sonntag berichtet, dass US-Präsident George W. Bush den Geheimdienst CIA mit der Ausarbeitung eines Geheimplans zum Sturz von Saddam Hussein beauftragt haben soll. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte seinerseits am Montag gemeint, dass der Irak mit jedem Tag bedrohlicher werde.

Der saudiarabische Kronprinz drückte laut SPA zugleich die Hoffnung aus, dass die UNO-Waffeninspektoren demnächst ihre Tätigkeit im Irak wieder aufnehmen könnten. Die Frage der Rückkehr der Waffenkontrollore soll Gegenstand von Gesprächen sein, die für Anfang Juli in Wien zwischen UNO-Generalsekretär Kofi Annan und Saddam Husseins Außenminister Naji Sabri geplant sind.

18.6.2002 11:55