Montag, 17. Juni 2002

Ex-Kanzler Kohl greift SPD scharf an

  • Parteichefin Merkel fordert Abwahl von Rot-Grün

Mit einem Aufruf zum Kampf um den Sieg bei der deutschen Bundestagswahl hat gestern die Parteivorsitzende Angela Merkel den 15. CDU-Bundesparteitag eröffnet. Merkel sagte, die Union habe sich das Ziel gesetzt, die rot-grüne Koalition im September abzulösen. Erstmals seit dem Spendenskandal von 1999 trat Altkanzler Helmut Kohl auf dem Parteitag wieder in Erscheinung.

Kohl versprach seine Mithilfe im Bundestags-Wahlkampf. Zugleich attackierte er die SPD, der er wegen der Zusammenarbeit mit der kommunistischen SED-Nachfolgepartei PDS "Verrat an unserer Geschichte" vorwarf.

Parteichefin Merkel rief in ihrer Rede zur Abwahl von Rot-Grün auf. "Die Zeit von Rot-Grün ist einfach abgelaufen", sagte sie am Montag beim CDU-Parteitag in Frankfurt am Main. "Ernüchterung, ja Enttäuschung" habe sich in Deutschland breit gemacht.

Auf der Tagesordnung des zweitägigen Treffens steht die Verabschiedung des gemeinsamen Wahlprogramms von CDU und CSU.

Kohl, der die Partei 25 Jahre lang geführt hat, hielt am Jahrestag des Arbeiteraufstands in der DDR eine Rede zum Thema "Vom Arbeiteraufstand zur Europäischen Einigung". Er wurde von den rund 1.000 Delegierten mit lang anhaltendem Beifall empfangen, als Merkel ihn begrüßte. Kohl erklärte, wo er im Bundestags- Wahlkampf mithelfen könne, mache er dies mit "besonderer Freude".

Der Altkanzler hob den Anteil der CDU/CSU an der deutschen Einheit und am Einigungsprozess Europas hervor. Die Maueröffnung am 9. November 1989 und die deutsche Einheit am 3. Oktober 2000 zähle er zu den "glücklichsten Tage in der Geschichte unseres Volkes", sagte Kohl. Die Union sei die "Europa-Partei Deutschands".

Die SPD griff er wegen ihrer Zusammenarbeit mit den Reformkommunisten PDS, der Nachfolgerin der DDR-Einheitspartei, scharf an. Er warf ihnen "Verrat an unserer Geschichte" vor.

17.6.2002 07:24