Fall Wurst - Patensohn wäre fast Mio.-Erbe geworden
- Wurst: Meine Frau hätte sicher nichts dagegen gehabt

Der wegen Anstiftung zum Mord und sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen angeklagte Kinderarzt Franz Wurst (82) wurde am Dienstag am Landesgericht Klagenfurt erneut einvernommen. Er bezeichnete seinen wegen Mordes mitangeklagten Patensohn Thomas H. (21) als Lügner, meinte jedoch auch, seine Frau hätte nichts dagegen gehabt, dass der junge Mann Millionen bekommen hätte.
Wurst bestätigte, es habe vage Pläne für eine Privatstiftung zu Gunsten von Thomas H. gegeben. Der Arzt meinte, seine Verwandten hätten die Villa schnell zu Geld gemacht. Thomas H. erklärte dem Geschworenengericht die geplante Vorgangsweise: "Der Professor hätte drei Millionen Schilling von mir bekommen, ich von ihm 45.000 Schilling Beraterhonorar monatlich und einen Kredit von der Bank über ebenfalls drei Millionen.
Mir war das dann aber zu kompliziert." Wurst-Verteidiger Helmut Sommer fragte daraufhin H.: "Haben sie die drei Millionen nicht auf Grund einer Belehnung ihres Elternhauses bekommen?" H. entrüstete sich: "Meine Mutter hat eine Umschuldung vorgenommen. Aber das geht Sie nichts an. Seit drei Monaten sitze ich hier eher sinnlos herum und jetzt wird meine Mutter mit hinein gezogen."
Richter Wilfried Kirchlehner wollte von Wurst wissen, ob seine Frau informiert gewesen sei, dass nahezu das komplette Familienvermögen in die Stiftung für Thomas H. fließen sollte. Wurst: "Ich glaube nicht, dass sie etwas dagegen gehabt hätte." Der Primar fügte hinzu, seine Frau habe im Übrigen alles Finanzielle geregelt und sagte: "Für mich hatte Geld keine Bedeutung, es war ja genug da."
Der Verteidiger von Thomas H., Gerhard Brandl, wollte mehr zu Wursts Meinung über seinen Patensohn erfahren. Wurst: "Die anderen, die mich angezeigt haben, sind Naivlinge, dabei bleibe ich. Thomas ordne ich anders ein. Er ist ein Lügner."
Wurst wurde auch kurz zu den von ihm für Patienten angeordneten "Schlafkuren" befragt. Der Primar sagte, diese hätten keine Strafe dargestellt, sondern sollten lediglich Ruhe schaffen. "Vielleicht wurde sie auch in einigen wenigen Fällen bei Stotterern angewendet", fügte er hinzu. Thomas H. habe er Medikamente verabreicht, weil dieser Wutanfälle gehabt habe. "Zwanzig bis dreißig Mal habe ich Thomas im Kindesalter untersucht, genauso wie seine Brüder", sagte Wurst als Begründung für seine Diagnose. H. sei ein Teil seines Forschungsprojektes mit 212 Kindern gewesen. "Die Zielsetzung gebe ich aber nicht an", lächelte der Kinderarzt.
Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.
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