Donnerstag, 20. Juni 2002

NEWS: Wer auf Gusis roter Liste steht

Noch vor dem Schattenkabinet muss SP-Chef Alfred Gusenbauer eine völlig runderneuerte Nationalratsliste präsentieren. NEWS präsentierte die heiße Liste: Wer aus dem Parlament gehen muss, wer bleiben darf und wer kommen wird.

Es geht auch ohne euphorische Benotungen vor einem Urnengang: der erste europäische SP-Wahlsieger seit langem ist Vladimir Spidla, Tschechiens künftiger Premier: der Mann, den die „Kleine Zeitung“ als „Kühlschrank“ bezeichnet – mit einem einzigen Fehler: „ohne Charisma“. Ein Stimmungsaufheller, den Alfred Gusenbauer, jüngst ebenso tituliert, in Zeiten wie diesen bestens brauchen kann.

Crashkurs gegen Bruchpiloten
Für Schlagzeilen in den heimischen Medien reichten zuletzt bloß Gusenbauers parteiinterne Wickel. Nach der bierseligen Crashtour des Kärntners Anton Leikam, seinem erzwungenen Rücktritt, der prompt in eine Führungsdebatte in der SPÖ mündete („Gusenbauer ist ein wandelnder Kühlschrank und hat kein Charisma“), blieb dem SP- Chef nichts anderes übrig, als kräftig auf den Tisch des Hauses zu hauen. Ergebnis: Gusenbauers Kritiker gingen – vorläufig – wie- der einmal in volle Deckung.

Fast ein Drittel muss gehen
Worauf der Chef gleich nachsetzte und wieder einmal laut über die notwendige personelle Erneuerung des SP-Parlamentsklubs nachdachte: 15 bis 20 Mandate von bisher 65 würden nach der nächsten Wahl neu besetzt. Er will eine „Mischung aus Erfahrenen und Jungen, Experten und Wahlkreisvertretern und Männern und Frauen“, schlicht Abgeordnete, die „die Botschaft der SPÖ an die WählerInnen bringen und die im Nationalrat und im Wahlkreis gleichermaßen politisch handlungsfähig sind“.

Ein Schritt, der einigermaßen kühn erscheint. Ist diese Ansage doch als gefährliche Drohung für Alteingesessene im SP-Klub interpretierbar. Und die Umsetzung der Totalerneuerung des SP-Klubs wird damit wohl zum innerparteilichen Kraftakt.

20.6.2002 13:03