Mittwoch, 19. Juni 2002

OÖ: "Bomben-Bastler" sprengte sich die Hand weg

  • Mann hatte mit Chemikalien hantiert
  • Kein politischer oder krimineller Hintergrund

In Oberösterreich (Bezirk Schärding) ereignete sich am Dienstagnachmittag ein seltener Unfall: Ein begeisterter aber scheinbar unprofessioneller Bomben-Bastler sprengte sich die linke Hand weg. Der 22-jährige hatte im Haus seiner Mutter mit Chemikalien hantiert. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es keinen politischen oder kriminellen Hintergrund gibt.

Das Drama hatte sich gegen 16.00 Uhr im Keller des Wohnhauses der Mutter des 22-jährigen Tischlers abgespielt. Beim Hantieren mit verschiedenen Chemikalien kam es zu einer Explosion, wobei dem jungen Mann die linke Hand weggerissen wurde. Der Schwerverletzte taumelte aus dem Keller, seiner Mutter entgegen. Die Frau nahm eine notdürftige Erstversorgung vor, dann wurde der 22-Jährige mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus Schärding gebracht.

"Wollte Regen-Loch im Garten sprengen"
Entgegen der ersten Annahme war der schwer verletzte "Bomben-Bastler" von Schardenberg am Mittwoch doch - zumindest für eine kurze Befragung - vernehmungsfähig. Es bestätigte sich, dass es keine politischen Hintergründe gibt. Auch mit kriminellen Kreisen dürfte der Mann nicht in Verbindung stehen.

Er habe "im Garten ein Auffangloch für Regenwasser sprengen" wollen, gab der Mann gegenüber der Gendarmerie an. Dazu habe er die zu einer "Rohrbombe" umfunktionierte Blechkassette verwenden wollen. Bereits früher habe er zwei "Sprengversuche" im Garten des Wohnhauses seiner Mutter unternommen, ohne dass etwas passiert ist.

Der Mann habe sich, so die Sicherheitsdirektion, "ohne weitere Hintergründe" mit den chemischen Substanzen abgegeben, "deren Gefährlichkeit und Handhabungsunsicherheit er aber offenbar unterschätzte". Sein Wissen über Sprengmittel und dergleichen hatte sich der Tischler aus diversen Büchern und Zeitschriften sowie aus dem Internet besorgt.

22-Jährige fiel nie negativ auf
Im Keller des Hauses in Schardenberg wurden Plastikröhrchen mit hoch-explosiven Chemikalien sichergestellt, ebenso drei Stangen Donarit, Zeitzündschnüre und eine zur "Rohrbombe" umfunktionierte Metallkassette sowie Anleitungen zum Bombenbau. Experten des Entschärfungsdienstes vernichteten die gefährlichen "Funde" aus dem Keller noch in der Nacht auf einer angrenzenden Wiese vor dem Haus in Schardenberg.

Auch in der Gemeinde Schardenberg ist der 22-Jährige nie negativ aufgefallen, wird berichtet. Er lebte eher zurückgezogen bei seiner geschiedenen Mutter und ging seiner Arbeit als Tischler nach. Man habe ihn in letzter Zeit wenig im Ort gesehen, berichten die Bewohner, vermutlich hat er sich vorwiegend in seinem "Bastel-Keller" aufgehalten.

19.6.2002 08:05