Dienstag, 18. Juni 2002

"Stau-Gipfel": Erste Konsequenzen nach Mega-Staus

  • "Love Parade" für drei Jahre weg von der Reichsbrücke!
  • Mehr Infos im Verkehrsradio + Getränke auf der Tangente!

Das darf nie mehr passieren: Am Samstag erlebten geplagte Autofahrer einen wahren Horrortag! Zwischen Großbaustellen, 20 km Stau auf der Tangente und "Love Parade" kam der Urlaubs-Verkehr für Stunden zum Erliegen. Beim Runden Tisch zur Wiener Stauproblematik im Wiener Rathaus sind erste Maßnahmen beschlossen worden: So werden die Staus in Zukunft großräumig angekündigt, auf den Autobahnen werden bereits ab St. Pölten und Wiener Neustadt Ausweichrouten bekannt gegeben. Erste Bewährungsprobe: Schon das nächste Wochenende. Dann wird nämlich die Tangente Richtung Süden saniert!

Geplant ist auch ein "Stauservice": Auf der Südost-Tangente werden Erfrischungen an die Autofahrer verteilt. Die "Love Parade" muss ab nächstem Jahr drei Jahre lang auf andere Routen ausweichen. Als Ersatz könnte der Ring dienen.

Mehr Verkehrsradio - auch im Ausland
An der Vermeidung von Staus werden sich auch die Verkehrsredaktionen der am Runden Tisch beteiligten Radiosender bemühen, so ein Sprecher des Stadtrats. Sie sollen Kontakt zu Sendern im benachbarten Ausland aufnehmen, um auf die Wiener Baustellenproblematik hinzuweisen. Es habe sich gezeigt, dass zwar die meisten Wiener den Stau auf der Tangente umfahren hätten, dafür aber viele Touristen nichts ahnend auf die Autobahn aufgefahren seien.

Zu wenig Straßen in Wien
Infrastrukturminister Matthias Reichhold (F) räumte vor Journalisten ein, dass die Autofahrer im Ausland nicht gut über die Wiener Verkehrssituation informiert worden seien. Mit den nun vereinbarten Maßnahmen müsste man dies jetzt aber im Griff haben. Die Arbeiten an der Tangente seien aus Gründen der Verkehrssicherheit jedenfalls absolut notwendig gewesen. Reichhold: "In Wien gibt es eine ganz besondere Situation. Es gibt zu wenig Infrastruktur und Straßen."

Der ARBÖ wird im Stausommer ebenfalls einen Teil zur Kühlung der erhitzten Autofahrergemüter beitragen. Bei großen Staus werden Mitarbeiter des Autofahrerclubs auf der Tangente Getränke und Kinderbücher verteilen, sagte ein Mitarbeiter des Verkehrsstadtrats.

Runder Tisch schon zu Beginn der Saison
Ab nächstem Jahr wird der Runde Tisch schon am Beginn der Baustellensaison stattfinden. Die Verkehrsexperten werden bereits im Frühjahr zusammentreten, um ein Stauchaos zu vermeiden, so ein Sprecher des Stadtrats.

Erster Prüfstein ist schon das kommende Wochenende; dann wird nämlich die Südost-Tangente in Fahrtrichtung Süden saniert!

Wochenend-Stauchaos in Österreich
Sanierungsarbeiten auf der A 23, Südost Tangente, in Fahrtrichtung Süden, führten am Samstag der ÖAMTC-Informationszentrale zufolge zu einem Verkehrszusammenbruch. Gegen 13.00 Uhr - Höhepunkt für alle geplagten Autofahrer - reichte der Stau von der Gürtelausfahrt bis weit über den Stadlauer Tunnel hinaus.

Autofahrer berichteten laut ÖAMTC, dass sie mehr als zwei Stunden vom Knoten Kaisermühlen bis zur Gürtelausfahrt benötigt hatten. Auf der A 4, Ost Autobahn, stadteinwärts, reichte der Rückstau zeitweise bis zur Abfahrt Schwechat. Auf der A 22, Donauufer Autobahn, standen die Kolonnen von der Auffahrt auf die A 23 bis zur Floridsdorfer Brücke zurück.

Die Abhaltung der Love Parade verschärfte die Situation weiter: Teile des Pratersterns, die Lasallestraße, die Reichsbrücke und Teile der Wagramerstraße waren gesperrt.

Bei der ASFINAG war man sich keiner Schuld bewusst: Wie Pressesprecher Harald Dirnbacher betonte, habe man die Arbeiten genau an die Wochenenden verlegt, die erfahrungsgemäß zu den verkehrsärmsten der Saison zählen. "Irgendwann einmal müssen wir ja die Straßen ausbessern", so Dirnberger.

Auf den Transitrouten war die Lage ebenfalls dramatisch: Seit den frühen Morgenstunden kam es auf Österreichs Straßen zu vielen Stauungen. Betroffen war vor allem die A10, die Tauernautobahn. 16 Kilometer Kolonnenverkehr und Blockabfertigung brachten den Verkehr vor dem Tauerntunnel völlig zum Erliegen. Aber auch die Situationen vor den Mautstellen Schönberg und Sterzing auf der A13, der Brennerautobahn, waren keinesfalls besser.

Weiters kam es auf der B179, der Fernpass Bundesstraße, in beiden Richtungen im gesamten Verlauf zu erheblichen Behinderungen. Grund dafür war einerseits der starke Reiseverkehr, andererseits aber auch ein Lkw-Unfall bei Nassereith. Der ARBÖ meldete, dass dieser Bereich nur schwer passierbar war und der Verkehr auf Grund der Bergung wechselweise angehalten werden musste.

Auch die Grenzen nach Ungarn und Slowenien meldeten lange Wartezeiten bei der Ausreise aus Österreich. Bei Spielfeld auf der Autobahn mussten die Autofahrer eine Stunde im prallen Sonnenschein ausharren, in Nickelsdorf zwei.

18.6.2002 14:27