Dienstag, 18. Juni 2002

Ministerrat beschließt heute neues Schulgesetz

  • Oberstufen können Stunden selbst verwalten
  • SPÖ und Grüne kritisieren den Entwurf

Informatik als Pflichtfach bereits in der fünften Schulstufe, verstärkte Autonomie in den AHS-Oberstufen und ein neuer Anlauf für die Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf - das sind die Eckpunkte des von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) vorgelegten Schulpakets, das am Dienstag den Ministerrat passiert hat.

Vorgesehen sind darin Änderungen im Schulunterrichts-, Schulorganisations- und Schulpflichtgesetz. Außerdem soll das Fach "Leibesübungen" bzw. "Leibeserziehung" in "Bewegung und Sport" umbenannt werden, die Sonderschule wird zur "Förderschule". Für die Änderungen der Schulgesetze ist im Parlament eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig.

Alle Details der Änderungen durch das Schulpaket
Die größte Änderung für die Schüler wird die Einführung des Pflichtfachs "Informations- und Kommunikationstechnologie" in der 1. Klasse AHS und Hauptschule ab dem Schuljahr 2004/2005 bringen (nur in, nicht ab der ersten Klasse, Anm.). Dafür soll eine Wochenstunde Deutsch "abgezwackt" werden. Weiterhin wird es in der 5. Klasse AHS "Informatik" im Ausmaß von zwei Wochenstunden geben.

Autonome Schwerpunktsetzung
In der AHS-Oberstufe können künftig so genannte "schulautonome" bzw. "schülerautonome" Schwerpunkte gesetzt werden, ein etwa von der SPÖ und den Grünen bevorzugtes Kurssystem ist aber nicht vorgesehen. Die Gesamtwochenstundenanzahl von der 5. bis zur 8. Klasse bleibt mit 138 unverändert, auch die AHS-Formen Gymnasium, Realgymnasium und Wirtschaftskundliches Realgymnasium bleiben unangetastet.

Neu ist, dass es in diesen verschiedenen AHS-Formen neben einem "Kernbereich" von 114 bis 118 Wochenstunden auch einen autonomen Bereich von 19 bis 24 Stunden geben soll. So können etwa in einem neuen Lehrplan Stundenkontingente für einen "schulautonomen" Bereich, also für schulspezifische und regionale Schwerpunktsetzungen, sowie für einen "schülerautonomen" Bereich mit Wahlpflichtgegenständen vorgesehen werden. Damit können ergänzende Schwerpunkte in den Bereichen Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften, Informations- und Kommunikationstechnologie, Ökologie, Wirtschaft, Sport sowie ein humanistischer oder ein musisch-kreativer Schwerpunkt gesetzt werden. Durch die Autonomie sollen vor allem die zahlreichen Schulversuche obsolet werden. Um schulautonome Schwerpunktsetzungen besser darstellen zu können, werden die Bildungseinrichtungen künftig Zusatzbezeichnungen wie etwa "Informatik-AHS" führen können.

Pflicht-Lateinunterricht bleibt
Im Gymnasium bleibt der verpflichtende Latein-Unterricht erhalten. Ab der dritten Klasse können die Schüler dabei zwischen Latein und einer weiteren Fremdsprache wählen, ab der 5. Klasse ist Latein dann verpflichtend.

Einen neuen Anlauf unternimmt Gehrer außerdem bei der im Vorjahr gescheiterten Überführung der Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Polytechnischen Schulen (PTS) ins Regelschulwesen. Derzeit besteht diese Möglichkeit des gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nichtbehinderten Kindern nur bis zur achten Schulstufe. Die Ausweitung auf die PTS war wegen der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit im Vorjahr am Widerstand der SPÖ gescheitert, die auch andere Schultypen erfasst haben wollte.

Flexibilisiert wird die Leistungsgruppenorganisation in der Hauptschule. Dadurch soll die Leistungsförderung entsprechend dem Niveau in Form eigener Schülergruppen oder durch differenzierte Lernformen innerhalb der Klasse erfolgen. Absolventen der Volksschule, denen eine AHS-Eignung bescheinigt wurde, die aber dennoch in die Hauptschule gehen, werden künftig automatisch zu Beginn des Schuljahres der höchsten Leistungsgruppe zugeordnet.

Neue Bezeichnungen
Weil "Leibesübung" und "Sonderschule" "nicht mehr dem aktuellen Stand pädagogischer Begriffsbildung entsprechen", erhalten diese die neuen Namen "Bewegung und Sport" sowie "Förderschule" .

18.6.2002 08:04