US-Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen droht das Aus
- Schulkdspruch wegen Behinderung der Justiz
- Akten des bankrotten Energiekonzerns Enron vernichtet

Dem traditionsreichen US-Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen LLP droht nach dem Schuldspruch wegen Justizbehinderung nach Ansicht von US-Experten wahrscheinlich früher oder später das geschäftliche Aus. Die Gesellschaft will allerdings gegen das Urteil des Gerichts in Houston Berufung einlegen. Es stand im Zusammenhang mit der Vernichtung von Dokumenten des bankrotten amerikanischen Energiehändlers Enron durch Andersen. Andersen droht neben einer Geldstrafe von bis zu 500.000 Dollar (529.000 Euro) ein Verbot, die Rechnungen öffentlicher Unternehmen zu überprüfen.
Arthur Andersen darf nur noch bis zum 31. August vor der amerikanischen Wertpapier- und Börsenkommission SEC praktizieren, erklärte Andersen am Samstag nach der Urteilsverkündung. Die SEC kündigte an, die Enron-Untersuchung und die Rolle von Andersen dabei würden weiter geführt. Andersen war lange Enrons Wirtschaftsprüfer gewesen. Dem Unternehmen droht zwar nur eine Strafe von 500.000 Dollar. Es kann aber seine Kunden zukünftig nicht mehr bei der SEC vertreten.
Bei der SEC müssen aber alle US-Aktiengesellschaften ihre Geschäftsergebnisse vorlegen. Andersen will bis Ende August seinen noch verbliebenen Kunden helfen, bei anderen Wirtschaftsprüfern unterzukommen. Andersen hatte im vergangenen Jahr noch 2.300 Aktiengesellschaften als Kunden. Mehr als 750 waren abgesprungen. Es könnte nach Ansicht von US-Rechtsexperten auch eine Schadenersatz- Klagelawine von Enron-Geschädigten auf Andersen zukommen.
Arthur Andersen LLP hat inzwischen nach US-Medienberichten statt 26.000 nur noch etwa 10.000 Mitarbeiter. Arthur Andersen hatte im April 7.000 Beschäftigte nach Hause geschickt. Außerdem sind inzwischen zahlreiche Büros, Partner und sonstige Beschäftigte zu anderen Rechnungsprüfungsfirmen wie KMPG und Deloitte & Touche übergewechselt.
Im Ausland sind die meisten der unter dem Dach der Andersen Worldwide SC operierenden autonomen Andersen-Schwesterfirmen ebenfalls zu Konkurrenzfirmen gegangen. Andersen hatte im vergangenen Jahr weltweit noch 85.000 Mitarbeiter.
Arthur Andersen hatte die Firma vor 89 Jahren in Chicago gegründet. Andersen war jahrzehntelang die angesehenste amerikanische Wirtschaftsprüfungsfirma und hatte sich zum fünftgrößten Wirtschaftsprüfer der Welt entwickelt. Andersen hatte ebenso wie seine Konkurrenten in den achtziger und neunziger Jahren das lukrativere Firmen-Consulting in immer größerem Stil vorangetrieben. Der Wirtschaftsprüfer und die Andersen Consulting trennten sich jedoch. Die Consultinggesellschaft firmiert als Accenture und hat mit Andersen nichts mehr zu tun.
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