Samstag, 15. Juni 2002

Dt. Tarifkonflikt: Streiks bei Telekom & am Bau geplant

  • Urabstimmungen im Bankgewerbe werden fortgesetzt

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der Deutschen Telekom AG für kommende Woche zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Vor der vierten Verhandlungsrunde am Donnerstag und Freitag solle der Druck auf den Konzern erhöht werden, einer spürbaren Entgelterhöhung zuzustimmen, teilte die Gewerkschaft am Sonntag mit. Ab Montag seien Proteste und Warnstreiks gestreut über ganz Deutschland geplant.

So solle etwa am Montagvormittag vor der Telekom-Zentrale in Bonn eine Großkundgebung stattfinden. In der deutschen Bauindustrie will die IG BAU in der zweiten Streikwoche ihren Arbeitskampf verschärfen. Auch im Tarifkonflikt mit den Banken kündigte Verdi für die kommende Woche weitere Proteste an. Die Urabstimmungen über einen Streik würden fortgesetzt.

Die Versuche der Telekom, den Kündigungsschutz aufzubrechen und Arbeitszeitkürzungen mit Einkommenseinbußen durchzusetzen, seien eine Unverschämtheit, erklärte Verdi-Verhandlungsführer Rüdiger Schulze. Zu Beginn der vierten Verhandlungsrunde am Donnerstag in Berlin würden rund 5000 Beschäftigte und Verdi-Chef Frank Bsirske zu einer Demonstration erwartet.

Die Gewerkschaft fordert für rund 124.000 Beschäftigte der Telekom eine Erhöhung der Bezüge um 6,5 Prozent und eine Laufzeit des Tarifvertrags von längstens zwölf Monaten. Der bisherige Tarifvertrag der Telekom war Ende April ausgelaufen. Die Telekom hatte vor rund zwei Wochen in der dritten Runde erstmals ein Tarifangebot abgegeben und will die Gehälter vom 1. Juli 2002 um insgesamt 3,8 Prozent erhöhen. Für das Folgejahr werde eine Erhöhung der Entgelte um weitere drei Prozent vom 1. Mai 2003 angeboten.

Die Dienstleistungs-Gewerkschaft Verdi hatte dieses Angebot als "Provokation" zurückgewiesen, da sich das Telekom-Angebot wegen der verzögerten Gehaltsaufstockung nach dem Auslaufen des Tarifvertrages eigenen Berechnungen zufolge lediglich auf 3,1 Prozent belaufe. Die Telekom will in den laufenden Tarifverhandlungen eine Einigung mit der Gewerkschaft über einen Abbau des Personalbestands um rund 10.000 Stellen jährlich in den Jahren 2002 bis 2004 erreichen. Für die Hälfte der insgesamt rund 265.000 Beschäftigten im Telekom-Konzern greift jedoch bis dahin ein Kündigungsschutz.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat angekündigt, in der kommenden Woche im Arbeitskampf "kräftig zulegen" zu wollen. Ab Mittwoch könnten die Streiks nochmals ausgeweitet werden. Es würden vor allem die Baustellen bestreikt, an denen hoher Termindruck herrsche. Ein verbessertes Angebot von Arbeitgeberseite liege bisher nicht vor, auch stehe kein Verhandlungstermin fest. Bisher hatte es geheißen, die Parteien wollten nächste Woche weiter verhandeln. Die IG BAU fordert eine Erhöhung der Löhne um 4,5 Prozent. Die Arbeitgeber hatten zuletzt drei Prozent ab September und weitere 2,1 Prozent Lohnerhöhung ab 1. April 2003 angeboten.

Nach Gewerkschaftsangaben sollen die Urabstimmungen über Streiks im Bankgewerbe in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Die Gewerkschaft fordert für die 460.000 Bankangestellten Einkommenserhöhungen um 6,5 Prozent. Die Arbeitgeber haben bisher kein Angebot vorgelegt, raten ihren Mitgliedsinstituten aber, ab Juli freiwillig 3,1 Prozent mehr zu zahlen.

15.6.2002 13:38