Mittwoch, 12. Juni 2002

Der deutsche WAZ-Konzern pokert um KirchMedia

Der deutsche WAZ-Konzern pokert um das beste Stück der Kirchpleite. Der Einsatz für SAT.1, ProSieben & Co: Bis zu 3 Milliarden Euro. Mit dem Kauf will WAZ-Boss Erich Schumann (Bild) die Gruppe vom Zeitungshaus zum TV-Giganten hieven.

Die Filetstücke des Film- und Fernsehmolochs Kirch haben es Erich Schumann schon seit längerem angetan. Bereits Ende Jänner traf sich der Chef und Miteigentümer des deutschen WAZ-Konzerns in Hannover im „Gasthaus Wichmann“ mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und Deutsche-Bank-Boss Rolf Breuer zu einer Geheimkonferenz. Das erklärte Ziel der Viererrunde: den vom kleinen Filmhändler zum globalen Medienmogul aufgestiegenen Winzersohn Leo Kirch
zu entmachten und das weitläufige Medienreich untereinander
aufzuteilen.

Nach dem donnernden Zusammenbruch des mit 6,5 Milliarden Euro verschuldeten Kirch-Imperiums samt Insolvenzanmeldung über KirchMedia und KirchPayTV gedenkt Schumann nun Nägel mit Köpfen zu machen. Zu Wochenbeginn wurde bestätigt, dass er eine Übernahme
von KirchMedia überlegt. Die möglichen Partner der WAZ, die
in Österreich zu 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" und zu 49,4 Prozent am "Kurier" beteiligt ist: die Commerzbank sowie das Hollywoodstudio Columbia Tristar ("Spider-Man", "Men in Black"), eine Tochter des Unterhaltungsgiganten Sony.

Der Kaufpreis: Zwischen zwei und drei Milliarden Euro.
Gelingt der Sensationscoup, katapultiert sich der rund um die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ)
gruppierte hochprofitable Konzern mit einem Schlag in die
Champions League der europäischen Medienszene. Zu dem
zuletzt von rund 12.000 Mitarbeitern erwirtschafteten Umsatz
von mehr als 1,9 Milliarden Euro käme noch einmal in etwa die gleiche Summe. Gleichzeitig hätte die bisher primär auf Printmedien konzentrierte Unternehmensgruppe ein massives Standbein im Fernsehmarkt.

Profitables Kernstück der insolventen KirchMedia ist die
52,5-prozentige Mehrheit am börsenotierten TV-Konzern ProSieben/Sat.1 sowie weitere Fernsehsender wie beispielsweise das Deutsche Sportfernsehen (DSF). Zudem verfügt KirchMedia über ein umfangreiches Filmarchiv mit rund 11.000 Spielfilmen und gut 40.000 Stunden Fernsehserien sowie die Übertragungsrechte für die Deutsche Fußball-Bundesliga und die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006.

Mehr über die Pläne von WAZ-Boss Schumann lesen Sie im neuen NEWS.

12.6.2002 15:24