Montag, 10. Juni 2002

Deutschland: Urabstimmung über Streiks am Bau

  • Erster Arbeitskampf am Bau in deutscher Nachkriegsgeschichte
  • Warnstreiks bei Post und Telekom

Im deutschen Baugewerbe hat eine Urabstimmung über einen Generalstreik begonnen. 340.000 Gewerkschafts-Mitglieder können bis Freitag entscheiden, ob erstmals in der deutschen Nachkriegs-Geschichte auf allen Baustellen gestreikt wird. Die Gewerkschaft verlangt 4,5% mehr Lohn, was die Arbeitgeber strikt ablehnen.

Erforderlich für den Generalstreik ist eine Zustimmung von 75 Prozent. Der Ausstand könnte dann am kommenden Montag (17. Juni) beginnen. Die Gewerkschaft fordert 4,5 Prozent mehr Geld für die rund 850.000 Beschäftigten. Die Arbeitgeber haben für dieses und das kommende Jahr Erhöhungen von 3,0 und 2,1 Prozent angeboten.

Warnstreiks bei der Post
Unterdessen hat die Gewerkschaft ver.di ihre Warnstreiks bei der Post in mehreren Bundesländern fortgesetzt. Am Nachmittag soll die 3. Tarifrunde zwischen der Gewerkschaft und der Deutschen Post AG in Münster beginnen. ver.di fordert für die bundesweit rund 240.000 Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Einkommen. Der Arbeitgeber wollen ein Angebot vorlegen.

Warnstreiks auch bei der Telekom
Auch bei der Telekom hat ver.di am Montag mit Warnstreiks begonnen. Sie begleiten die 3. Verhandlungsrunde in Bonn, bei der die Arbeitgeber inzwischen ein erstes Angebot auf den Tisch gelegt haben. Details wurden nicht bekannt. "Es ist ein ganzes Angebotspaket, das wir jetzt in der Kommission erst bewerten müssen", hieß es bei ver.di. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die bundesweit rund 130.000 Beschäftigten.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt kritisierte die Aktionen scharf. "Die von ver.di angekündigte neue Streikwelle verschärft die Wirtschaftskrise und ist ein unverantwortlicher Angriff auf die Sozialpartnerschaft und die Tarifautonomie", sagte Hundt am Montag in Berlin. Es werde immer deutlicher, "dass die Gewerkschaften mit ver.di an der Spitze eine Gegenmachtstrategie nach dem Muster der siebziger Jahre verfolgten".

10.6.2002 14:00