Euphorie in Japan nach Aufstieg ins Achtelfinale
- Arbeiter durften in den Firmen mitfiebern
- Moskau: Russen blieben nach Out ihres Teams ruhig
Die Menschen weinten vor Freude, die Zeitungen druckten Sonderausgaben, die Fernsehstationen zeigten unablässig Bilder von feiernden Massen - der Jubel in Japan über den WM-Gruppensieg der heimischen Fußball-Nationalmannschaft kannte am Freitag keine Grenzen und versetzte das rezessionsgeplagte Inselreich in einen Zustand ungeahnter Hochgefühle. Im Nationalstadion von Tokio feierten 50.000 vor einem riesigen Bildschirm mit La-Ola-Wellen den Sieg.
Im Austragungsort Osaka sprangen übermütige Fans trotz Verbotsschildern in voller Montur von Brücken in einen Fluss. Bahnhofsvorplätze und Straßenkreuzungen verwandelten sich in ein pulsierendes Meer aus blauen Trikots und Nationalflaggen mit dem rot- weißen Sonnenbanner. Überall erklangen "Nippon, Nippon" und "Troussier, Troussier"-Rufe. Im ganzen Land stürmten Geschäftsleute aus den Büros in die Sportbars, um das Spiel am TV zu verfolgen.
Ministerin forderte Arbeiter zum WM-Schauen auf
Die Regierung hatte die Menschen des Landes an diesem Tag aufgefordert, mit der Nationalmannschaft mitzufiebern. Sportministerin Atsuko Toyama hatte persönlich die arbeitende Bevölkerung animiert, sich das Spiel auch während der Arbeit anzuschauen. Konzerne wie Nissan, JAL oder Bandai stellten ihre Kantinen und Konferenzräume bereit, damit die Belegschaft das Spiel an großen Bildschirmen sehen konnte. Zentralbankchef Masaru Hayami kürzte sogar seine reguläre Pressekonferenz ab, um das historische Spiel verfolgen zu können. Ein Drittel der Angestellten und Studenten hatten sich laut einer Umfrage frei genommen.
Moskau: Befürchtete Krawalle blieben aus
Während sich ganz Japan im Freudentaumel befand, haben die russischen Fans in Moskau das WM-Aus ihres Teams gegen Belgien ruhig hingenommen. Angesichts einer Polizeistreitmacht von 2.000 Mann blieb die Übertragung der 2:3-Niederlage auf dem Manegeplatz im Stadtzentrum weitgehend störungsfrei. Dann machten sich die rund 5.000 Personen enttäuscht und traurig, aber friedlich auf den Heimweg. Während des Spiels nahm die Polizei etwa 15 Hooligans fest, die Feuerwerkskörper und Rauchbomben geworfen hatten, meldete die Agentur Interfax.
Nach der Niederlage gegen Japan am Sonntag war das Stadtzentrum zum Schauplatz schwerer Krawalle geworden. Dabei waren ein 20-Jähriger erstochen und mehr als 70 Menschen verletzt worden. Die Moskauer Stadtführung hatte sich entschlossen, das Belgien-Spiel trotz der Ausschreitungen öffentlich auf Großbildschirmen zu übertragen.
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