Französische WM-Blamage erschüttert Wirtschaft
- Börsekurs des Fußballsenders TF1 fiel "in ein Loch"
Während dieses Spiels haben sich nicht nur die Träume von Millionen Franzosen, sondern auch Millionen Euro in Luft aufgelöst. Zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen haben Frankreichs Fußballer am Dienstag vergeblich auf das gegnerische Tor gekickt - nun sind die Titelverteidiger bei der Fußball-WM aus dem Rennen, und mit den "Blauen" macht eine Heerschar von Managern und Anlegern lange Gesichter. Werbe- und Sponsorengelder sind in Gefahr - ein ganzer Wirtschaftssektor wackelt.
Mit langen Gesichtern verfolgen einige Dutzend Werbe-Kunden am TF1-Sitz in Boulogne-Billancourt bei Paris die Pleite hautnah auf einer Großleinwand. Ein Riesenporträt von Spielmacher Zinedine Zidane ist mit zwei Weltmeister-Sternen geschmückt - verfrühter Optimismus, wie das dürftige Gekicke der millionenschweren Startruppe auf dem WM-Rasen im südkoreanischen Incheon zeigte. Erst in vier Jahren könnten Zidanes "Blaue" ihren zweiten Titel nach 1998 erringen.
168 Mio. Euro für Übertragungsrechte
Die stolze Summe von 168 Millionen Euro hat allein der französische Privatsender TF1 nach dem WM-Triumph im eigenen Lande hingeblättert, um die Endrunde 2002 und 2006 live übertragen zu können. Immer im Hinterkopf, dass die Franzosen im Turnier eine wichtige Rolle spielen - dann lassen sich die kostbare Werbezeit in den Halbzeitpausen und das Einblenden von Sponsoren-Tafeln zwischen Spielende und Kommentaren buchstäblich vergolden.
Elf Mio. Euro Werbeeinnahmen gehen TF1 verloren
Jetzt, da die hoch gehandelten "Blauen" nicht einmal die drei Erstrundenbegegnungen überstanden haben, sinken die Erlöse kräftig. Das sensationell schnelle Ausscheiden Frankreichs koste TF1 bis zu elf Millionen Euro Werbeeinnahmen, rechnete Analyst Charles Henri de Mortemart von Dexia Securities vor - fast ein Prozent der Werbeumsätze aus dem vergangenen Jahr. Wenn die Lieblinge der Nation nicht mehr dabei sind, werden schließlich nicht immer Millionen Zuschauer bereit sein, angesichts der Zeitverschiebung zu Asien ihren Morgenkaffee vor der Glotze einzunehmen und sich dabei mit Fußball und Werbung berieseln zu lassen.
Aktienkurse stürzen nach Frankreich-Niederlage
Als sich das Ausscheiden der französischen Elf immer klarer abzeichnet, fällt die TF1-Aktie am Dienstag erst einmal in ein Loch. Schließlich berappelt sich der Kurs wieder: Schließlich würden doch noch einige Franzosen weiter den Fortgang der WM verfolgen, betont ein Pariser Börsianer. Die Aktien-Experten orientieren sich nach Ansicht eines Analysten wieder eher an den Fundamentaldaten des größten französischen Senders. Der Markt habe zunächst auf sinkende Kurse spekuliert und erkannt, dass die WM-Pleite als einmaliges Ereignis keinen Einfluss auf die mittelfristige Bewertung der TV-Aktie habe.
Auch Spieler selbst erleiden finanzielle Einbußen
Größeren Schaden dürften die Spieler selbst, ihre Sponsoren und ihre Clubs davontragen: Nach dem Siegestaumel der WM 1998 und der Europameisterschaft 2000 konnten Zidane und seine Mitkicker nicht nur ihre Arbeit deutlich teurer verkaufen, sondern auch millionenschwere Werbeverträge einheimsen, die nun deutlich niedriger dotiert werden dürften.
Diesmal haben die französischen Fußballer beim wichtigsten Turnier hilflos bis pomadig-überheblich gewirkt. Damit haben sie nicht nur ihren eigenen Sympathiewert vermindert, sondern auch den Marktwert. Hunderttausende Trikots mit Zidanes Nummer zehn werden diesen Sommer wohl nicht noch einmal verkauft, auch andere Devotionalien dürften schwerer an den Mann zu bringen sein.
Sportausrüster Adidas, der allein in Frankreich sechs Millionen seiner 40 Millionen Euro WM-Werbegelder einsetzt, dürfte seine bereits gedrehten Dankeschön-Spots an die Adresse der "Blauen" in der Schublade verschwinden lassen. Danone wird seine Kekse mampfenden Elitekicker wohl nicht mehr zeigen, die als Sponsoren auftretende Handelskette Carrefour und die französische Post müssen ihre Heldenverehrung notgedrungen einstellen.
In Deutschland dürften sich mit den Kickern von Rudi Völler dagegen Sender, Firmen und andere Partner die Hände reiben - nach dem 2: 0-Sieg gegen Kamerun und dem ungeschlagenen Einzug ins Achtelfinale winkt weiter das große Geld.
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