Montag, 10. Juni 2002

Schumacher stürmt mit Siebenmeilenstiefeln zur WM

  • "Hab den Titel noch nicht in der Tasche"
  • Titelgewinn bereits beim GP von Frankreich möglich

Mit Siebenmeilenstiefeln stürmt Michael Schumacher dem fünften WM-Titel entgegen. Keiner seiner hoffnungslos abgeschlagenen Verfolger ist wohl noch in der Lage, den Durchmarsch des Ferrari-Stars noch zu verhindern. Trotzdem stapelt dieser weiter tief.

"Es stehen noch neun Rennen aus, in denen 90 Punkte vergeben werden. Da hab' ich den Titel noch nicht in der Tasche", rechnete der Deutsche nach seinem sechsten Saisonsieg in Montreal penibel vor. "Ich bin nicht pessimistisch, nur realistisch. Man muss warten, bis die Sache entschieden ist", sagte der vorsichtige WM-Leader. Auf seines Rekordvorsprungs von 43 Punkten könnte er schon in sechs Wochen beim GP von Frankreich und damit vor seinem Heimrennen in Hockenheim alles klar machen.

Souverän wie noch nie
Noch nie in 53 Jahren Formel 1 führte ein Fahrer bei Saisonhalbzeit so souverän, noch nie holte einer in den ersten acht WM-Läufen 70 von 80 möglichen Punkten. Aber der Kerpener mag derartige Zahlenspielereien nicht. "Wir wissen, dass wir einen komfortablen Vorsprung haben. Aber das ist kein Grund, daran zu denken, wann wir den Titel holen können", wiegelte er ab. "Wichtig ist, sicher zu stellen, dass wir Weltmeister werden."

Dies hat Ferrari inzwischen bis zur Perfektion betrieben. Im "Notfall" schreckt Teamchef Jean Todt - wie zuletzt in Österreich - auch nicht vor einer angesichts der Schumacher-Dominanz eigentlich unnötigen Stallorder zu Gunsten seines auf den WM-Gewinn gepolten Schützlings zurück. Zudem ist zumindest Schumachers "roter Renner" ein Muster an Zuverlässigkeit. Seit dem GP von Deutschland am 29. Juli 2001 und damit 13 Rennen in Serie fiel sein Ferrari nicht mehr aus. Und wenn einmal ein Defekt auftrat, blieb dies stets ohne negative Folgen, so wie der Motorschaden im Aufwärmtraining zum Kanada-GP.

Pleiten, Pech und Pannen
Selbst Pleiten, Pech und Pannen am laufenden Band können Schumacher nicht mehr stoppen. Bliebe er etwa die nächsten vier Rennen ohne Punkte und sein Bruder Ralf, Juan Pablo Montoya (je 27 Punkte) oder David Coulthard (26) würde jeweils gewinnen, stünde Schumacher auch nach dem Hockenheimring noch an der Spitze. Angesichts dieser Dominanz räumte er wenigstens ein, dass er die WM nur mehr schwer verlieren könne. "Ich habe das nie bestritten. Mit diesem Sieg bin ich dem Titel einen Schritt näher gerückt, zumal Ralf und Montoya nicht gepunktet haben", sagte der Champion, für den es bereits am Dienstag mit einem Test-Programm weiter ging.

Den Verfolgern scheint hingegen die Luft auszugehen. Williams-BMW-Mann Montoya platzte in der 57. Runde der Motor, Ralf Schumacher konnte beim Boxenstopp wegen Defekten an beiden Tankanlagen nur fünf Liter Benzin fassen und musste zum Nachfüllen außerplanmäßig ein zweites Mal nachtanken. "Es ist so ziemlich alles schief gelaufen, was schief laufen konnte", stöhnte Vorjahressieger "Schumi II". Motorsport-Direktor Gerhard Berger hat trotz dieses Rückschlags das Titelrennen noch nicht aufgeben. "Die WM ist erst entschieden, wenn wir Schumacher theoretisch nicht mehr einholen können", sagte der Tiroler, der aber gleichzeitig einräumte: "Die Chancen liegen klar bei Michael."

10.6.2002 11:44
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