Montag, 10. Juni 2002

Millionenbetrüger Weiss an USA ausgeliefert

  • In Abwesenheit zu 845 Jahren Haft verurteilt

Der zu 845 Jahren Haft verurteilte Millionenbetrüger Sholam Weiss ist nach Angaben der US-Bundespolizei FBI von Österreich an die USA ausgeliefert worden. Die US-Justiz wirft dem New Yorker Geschäftsmann vor, eine Versicherungsgesellschaft um 125 Millionen Dollar (133,2 Mill. Euro) betrogen zu haben. Insgesamt sollen Weiss und seine sechs Komplizen Anfang der 90er Jahre 600 Millionen Dollar von der National Heritage Life Insurance gestohlen haben.

Weiss, ein 48-jähriger ehemaliger Klomuschel-Fabrikant, zählt in den Vereinigten Staaten zu den zehn meist gesuchten Verbrechern.

Das Komplott führte 1994 zum Konkurs des Unternehmens, die meisten der 25.000 Kunden verloren ihre gesamten Ersparnisse. Ein Geschworenengericht in Orlando (Florida) verurteilte Weiss 1999 in Abwesenheit - der Angeklagte war zu diesem Zeitpunkt schon aus den USA geflohen. Laut FBI hielt er sich unter anderem in Israel, Belgien, Großbritannien und Brasilien auf.

Im Oktober 2000 wurde der damals 46-Jährige in Wien verhaftet, im Mai stimmte die österreichische Justiz seiner Auslieferung zu. Am Sonntag wurde der Millionär schließlich nach Orlando überstellt, wo er noch am Montag zu einer ersten Anhörung vor Gericht erscheinen sollte.

Zuvor hatte es ein juristisches Tauziehen um die Auslieferung von Weiss gegeben. Sein Wiener Anwalt, Michael Winischhofer, hatte noch Ende Mai beim Verwaltungsgerichtshof erneut Rechtsmittel gegen die Erkenntnisse des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs in Straßburg und des Verfassungsgerichtshof eingelegt, mit denen ein Auslieferungsstopp nicht verlängert worden war

10.6.2002 07:23