Dem Mittelstand droht 2002 eine Insolvenzwelle
- Creditreform: 2002 um 11,5 Prozent mehr Pleiten
- Bau als Opfer von Investionstief
Traurige Aussichten: Im österreichischen Mittelstand droht eine Insolvenzwelle. Obwohl das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2002 deutlich an Fahrt gewonnen hat, blicken kleine und mittlere Unternehmen einer trüben Zukunft entgegen. Der Verband Creditreform geht von 5.800 neuen Pleiten für 2002 aus, das wären um 11,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Im ersten Quartal 2002 wurden 1.400 Unternehmen zahlungsunfähig gemeldet, um 7,2 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2001.
"Das Schwergewicht der Konkurse liegt im Mittelstand und nicht bei den Großen", betonte der Hauptgeschäftsführer beim Verband Creditreform, Helmut Rödl, am Mittwoch bei der Präsentation einer Umfrage, bei der 2.090 heimischen klein und mittlere Unternehmen (KMU) mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 5 und 100 Mitarbeitern befragt wurden. Im Vergleich zu Deutschland, aber auch zu anderen europäischen Ländern, stehe Österreich dennoch gut da: Für heuer geht man von 40.000 Firmen- und 20.000 Privatkonkursen in Deutschland aus.
Den Hauptgrund für die steigende Insolvenzzahl sieht Rödl in der "eklatanten Finanzschwäche" der Betriebe. Nur knapp ein Fünftel der heimischen KMU verfügen über eine Eigenkapitaldecke von mehr als 30 Prozent der Bilanzsumme und gelten daher als "stabil". In Deutschland und Italien sei die Situation ähnlich. In Frankreich und den Niederlanden stünde der Mittelstand aber - nicht zuletzt auf Grund der Steuergesetzgebung - deutlich besser da. Im Vorfeld von Basel II, den neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken, müsse auch Österreichs Mittelstand "bankenunabhängiger" werden, rät Rödl.
Der Mittelstand ist mit seiner aktuellen Geschäftslage wesentlich unzufriedener als noch vor einem Jahr, so die Studie. Die Zahl der negativen Bewertungen hat sich mehr als verdreifacht. Am positivsten gestimmt zeigte sich der Dienstleistungssektor. Nur noch jedes vierte Unternehmen rechnet heuer mit steigenden Umsätzen. Ein besonders "düsteres Bild" gibt es im Handel und im verarbeitenden Gewerbe. Im Bausektor gibt es erstaunlicherweise noch die meisten "Umsatzoptimisten". Mit höheren Erträgen rechnet laut Creditreform nur noch jeder dritte mittelständische Betrieb - im Vorjahr waren es noch 40 Prozent.
Die gedämpften Erwartungen bei den Umsätzen und den Erträgen hinterlassen sowohl bei den Personalplanungen als auch bei der Investitionsbereitschaft ihre Spuren. Zwar stünden die Zeichen weiter auf Personaleinstellungen, es würden aber deutlich weniger neue Jobs geschaffen, geht aus der Studie hervor. Planten 2001 noch 23,2 Prozent, neue Mitarbeiter einzustellen, sind es nun noch 17,9 Prozent. Positive Signale kommen nur vom Dienstleistungssektor.
Die Investitionsbereitschaft des Mittelstandes ist auf den niedrigsten Stand seit Mitte der 90er Jahre zurück gegangen: Nur noch jedes zweite Unternehmen plant laut Umfrage heuer Investitionen. Vor allem im Bau und im Handel werde weniger investiert, höhere Investitionen als 2001 plane hingegen die verarbeitende Industrie.
Präsidentenwahl in Serbien09:39
Traum von GroßserbienNeuer Präsident Nikolic kann sich nicht von nationalistischen Ideen lösen


