Montag, 3. Juni 2002

KPNQwest-Austria meldet Konkurs an

  • Aufrechterhaltung des Betriebs angestrebt
  • Weltweite Ausfälle im Web, auch Chello betroffen

KPNQwest Austria (früher: EUnet), einer der größten heimischen Internetanbieter im Geschäftskundenbereich, hat am Donnerstag Konkurs angemeldet. Als Ursache wurden Konkurs der Muttergesellschaft und die intensiven Konzernverflechtungen genannt. Die niederländische Konzernmutter hatte mit einem Schuldenstand von fast 2 Mrd. Euro bereits am 31. Mai Konkurs angemeldet.

Neben der KPNQwest Austria GmbH ist am Donnerstag auch die KPNQwest Assets Austria GmbH in Konkurs gegangen.
Die KPNQwest Austria GmbH beschäftigt derzeit 91 Personen. Laut einer Sprecherin zählen 40 Prozent der österreichischen Top 500-Unternehmen zu den Kunden des Unternehmens. Bis zum Schluss habe man damit in Österreich ein profitables Geschäft betrieben. Ein Teil der Verbindlichkeiten des Konzerns habe aber auch auf die Österreichtochter durchgeschlagen, betonte die Sprecherin.

Laut Kreditschutzverband (KSV) ist nun beabsichtigt, das Unternehmen im Konkurs vorerst weiterzuführen. Zum Masseverwalter hat das Gericht den Wiener Rechtsanwalt Christof Stapf bestellt, der zuletzt bei der Insolvenz der Wiener Internetfirma YLine in Erscheinung getreten ist. Die Aufgabe des Masseverwalters werde es sein, zu entscheiden, ob eine dauerhafte Weiterführung möglich ist, so der KSV.

Insgesamt 36 Mio. Euro Schulden
Insgesamt ist die KPNQwest Austria mit Passiva von 36 Mio. Euro in Konkurs gegangen. 21 Mio. Euro Passiva entfallen davon auf die KPNQwest Austria GmbH, 15 Mio. Euro auf die KPNQwest Asset Austria GmbH. Dem stehen in der KPNQwest Austria GmbH 10 Mio. Euro inländischer Aktiva gegenüber. Eine Bewertung der Aktiva in der KPNQwest Asset Austria GmbH ist vorerst nicht möglich, teilte der KSV am Donnerstag weiter mit. Die Überschuldung der KPNQwest Austria GmbH beträgt damit 11 Mio. Euro.

Mit der Telekom Austria, einem wichtigen Lieferanten in Österreich, wurde, wie berichtet, allerdings bereits eine Vereinbarung über die Aufrechterhaltung der Lieferungen (Leitungen zu den Kunden) geschlossen.

Holländische UPC erwartet weltweite Verlangsamung
Einer der größten KPNQwest-Kunden, die ebenfalls holländische UPC, erwartet, "eine weltweite Verlangsamung des gesamten Internet". Probleme sieht man bei UPC vor allem bei den Verbindungen in die USA und generell bei Daten-Downloads.

UPC Telekabel rechnet bei Chello mit Problemen
in ihrem Internetbereich Chello Auch die österreichische Tochtergesellschaft UPC Telekabel rechnet in ihrem Internetbereich Chello mit einer deutlich eingeschränkten Performance. UPC Telekabel-Sprecher Gustav Soucek: Weil KPNQwest erklärte, nicht mehr für das reibungslose Funktionieren seines Netzwerkes garantieren zu können, habe UPC "unverzüglich einen Notfallsplan aufgesetzt, um diese Backbone Services alternativen Anbietern zu übergeben.

3.6.2002 15:40