Freitag, 7. Juni 2002

Pech: Schiri-Gespann bringt Italien um den Sieg

  • Kämpferische Kroaten gewinnen nach Rückstand noch 2:1
  • Plus: Ergebnisse, Tabelle & alle Infos zur Gruppe G

Es war das bisher dramatischte Spiel dieser WM: Italien verlor am Samstag gegen Kroatien mit 1:2, aber die Art und Weise, in der dies geschah, wird noch lange für Diskussionen sorgen. Den Azzurri wurden zwei reguläre Tore aberkannt, noch dazu knallte Totti beim Stand von 1:2 einen Freistoß an die Innenstange. Dennoch Kompliment an die Kroaten, sie kämpften tapfer, drehten einen 0:1-Rückstand um, und für den Schiedsrichter können sie nichts. Die Italiener sind auf alle Fälle sauer und wollen Protest einlegen.

Kroatien darf wieder auf den Einzug ins Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft hoffen, Italien muss hingegen noch bangen. Was für die Squadra Azzurra nach dem mühelosen 2:0 zum Auftakt gegen Ecuador der relativ lockere Marsch in die Runde der letzten 16 Mannschaften schien, könnte sich nach dem 1:2 am Samstag in Ibaraki gegen den WM-Dritten von 1998 doch als etwas dornenvoll gestalten. Denn in der Gruppe G haben nun vor dem Treffen zwischen Mexiko und Ecuador alle Mannschaften ihre Aufstiegschancen.

"Das waren Dorf-Referees"
Mit einem Doppelschlag durch Olic (73.) und Rapaic (76.) in wenigen Minuten verwandelten die Kroaten ein 0:1 durch Vieri (55.) in ein 2:1, das sie dann mit Glück über die Zeit retteten. Die Italiener haderten nach dem Schlusspfiff mit dem englischen Referee Graham Poll und dem dänischen Linienrichter Jens Larsen, der bei einem Treffer von Vieri (50.) zu Unrecht die Fahne hochriss und in der Nachspielzeit bei einem weiteren von Materazzi ein Foul von Inazaghi anzeigte. Was Vieri zu der zornigen Feststellung veranlasste: "Das waren keine Schiedsrichter der ersten oder zweiten Liga, sondern Dorf-Referees."

Kroatien wie ausgewechselt
Die Kroaten präsentierten sich diesmal im Vergleich zu ihrer schwachen Vorstellung beim 0:1 gegen Mexiko als ganz anderes Kaliber. Ohne die "Alten" Robert Prosinecki und Davor Suker gingen sie entschlossen und bissig in das Duell mit dem Favoriten und lagen zur Pause bei jeweils nur wenigen großen Chancen (Doni für die Squadra, Vugrinec für die Kroaten) nach Punkten voran.

Italien setzte nach dem 1:0 nicht nach
Nach dem korrekten, aber nicht anerkannten Tor von Vieri in der 50. Minute glückte dem Torjäger dann fünf Minuten später doch das 1:0. Nach einer Flanke von Doni köpfelte er sein drittes Tor bei dieser WM und das 13. Länderspieltor seiner Karriere. Doch die Squadra setzte nicht nach, im Gegenteil die Kroaten gaben sich nicht geschlagen und sprangen noch vom fast schon programmierten Zug nach Hause.

Doppelschlag bringt Kroaten auf die Siegerstraße
Ein Doppelschlag innerhalb von knapp vier Minuten: Zunächst drückte der eingewechselte Olic eine scharfe Hereingabe von Jarni aus kurzer Distanz zum 1:1 über die Linie (73.) und dann kam der große Auftritt von Rapaic. Im ersten Versuch noch gescheitert, kam der Ball wieder zu ihm und mit einem etwas glücklichen Heber in die linke Ecke über den zu weit vor dem Tor postierten Buffon traf er zum 2:1 (76.).

Pech für Italien in den Schlussminuten
In diesem Spiel blieb der Squadra allerdings das Pech treu. Totto jagte einen Freistoß in der 87. Minute an die linke Innenstange (Pletikosa hätte keine Chance gehabt) und dann kam noch die Szene in der 92. Minute, als ein als Vorlage gedachter Ball von Materazzi von Freund und Feind unberührt den Weg ins Netz fand, der Linienrichter aber ein Foul von Inzaghi vor dem Tor gesehen haben wollte.

Italien verteidigte zwar Rang eins, könnte diesen aber am Sonntag an Mexiko (Gegner in der Schlussrunde) verlieren. Die Kroaten spielen gegen Ecuador um ihre Chance.

Italiens Verband überlegt Protest
Der Chefverantwortliche der italienischen WM-Delegation Raffaele Ranucci gab am Samstag bekannt, dass der Verband einen Protest wegen der zwei nicht gegebenen Tore bei der 1:2-Niederlage gegen Kroatien überlegt. "Alles was wir tun können, werden wir tun", sagte Ranucci. Der englische Schiedsrichter Graham Poll hatte zwei italienische Treffer nach Anzeige seines dänischen Assistenten Jens Larsen nicht anerkannt.

7.6.2002 12:38