"Zehnt-Klassler, die sich zur Matura verirrt haben"
Nach dem enttäuschenden WM-Start haben Englands Medien Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson zum Sündenbock gestempelt. "Spielt weiter so, und wir sind draußen", urteilte das Boulevard-Blatt "The Sun". Aber auch der seriöse "Guardian" zog nach dem 1:1 gegen Schweden ein schonungsloses Fazit: "Halbherzig, halb fit und auf dem halben Weg nach Hause."
Die Skandinavier bleiben weiter der Angstgegner der Engländer, die nun schon in mittlerweile zehn Spielen seit 1968 ohne Sieg gegen das "Drei-Kronen-Team" sind. Selbst die Nachricht, dass Kapitän David Beckham seinen 63 Minuten dauernden Einsatz nach auskuriertem Fußbruch gut überstanden hat und wohl auch in der vielleicht schon entscheidenden Partie gegen Argentinien am Freitag auflaufen wird, vermochte nicht für bessere Stimmung sorgen.
Wie "Zehnt-Klässler, die sich zur Maturaprüfung verirrt haben", wirkte der Auftritt gegen die ebenso biederen Schweden, befand der "Guardian". Unmut regt sich in England gegen Eriksson, der entgegen der in ihn gesetzten Erwartungen mit typisch britischem "Hau-Ruck-Stil" agieren ließ. "Ist er etwa ein verkleideter Graham Taylor?", unterstellte die "Sun" Parallelen zu dem nach verpasster WM-Qualifikation 1994 entlassenen und von den Medien stets hart attackierten früheren Nationalcoach.
Besonders die Auswechslung des agilen Darius Vassell sorgte für Unverständnis. Und auch die Herausnahme Beckhams in einer entscheidenden Phase, "obwohl er nur müde und nicht verletzt war" ("The Independent"), wurde kritisch kommentiert. Schon nach einem Spiel bei der WM in Asien kursieren Gerüchte, Eriksson werde nach 16 Monaten im Amt als Nationaltrainer mehr oder weniger freiwillig zurücktreten.
Als bedürfe es einer besonderen Bestätigung trat Englands Fußball-Verbandsvorstand Adam Crozier den Spekulationen entgegen und bekundete die Treue der Football Association (FA) zu dem 54-Jährigen. "Es gibt bei ihm und bei uns keine Gedanken irgendetwas zu verändern", sagte Crozier. Eriksson ist der erste ausländische Nationaltrainer Englands und hat noch einen Vertrag bis nach der WM 2006.
"Ich blicke erwartungsvoll nach vorne und hoffe, dass wir gegen Argentinien mehr als 35 Minuten guten Fußball spielen können", gab sich Eriksson nach der Partie gegen seine Landsleute verhalten optimistisch. Superstar Beckham, der bei seinem Comeback nach sieben Wochen Verletzungspause noch spürbar verhalten agierte, gab bereits Grünes Licht für den Klassiker am Freitag. "Ich fühle mich vor allem müde und der Fuß tut weh, aber ich denke, es wird gehen", sagte der Mittelfeldspieler. Nach der Partie gegen Argentinien treffen die Engländer in der schweren Gruppe F am 12. Juni noch auf Nigeria.
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