Afghanische Übergangsregierung ist komplett
- Ex-Innenminister Kanuni wird nationaler Sicherheitsberater
- Frauenministerium noch unbesetzt
Mit der Ernennung weiterer Minister hat der afghanische Präsident Hamid Karsai sein Kabinett vervollständigt. Wie Karsais früherer Berater Yusuf Nuristani am Samstag in Kabul mitteilte, ernannte der Präsident seinen früheren Innenminister Yunis Kanuni zu seinem Berater für Fragen der nationalen Sicherheit. Allein das Frauenministerium noch ist noch nicht besetzt.
Kanuni habe zudem den Posten des Bildungsministers nun doch angenommen, den er zunächst abgelehnt hatte. Er selbst werde in der Übergangsregierung das Umwelt- und Bewässerungsressort übernehmen, sagte Nuristani.
Der frühere Arbeits- und Sozialminister Mirwais Sadek werde Luftfahrtminister. Er ist Sohn des einflussreichen Gouverneurs der westlichen Provinz Herat, Ismail Khan. Zu den neuen Ministern zählten auch Nur Mohammed Karkin für die ländliche Entwicklung und Rahin Magdum für das Kulturressort.
Nach dem im Dezember verabschiedeten Petersberg-Abkommen für Afghanistan muss die neue Übergangsregierung am 22. Juni vereidigt werden. 14 Minister der Schlüsselressorts für seine Übergangsregierung hatte Karsai bereits am Mittwoch zum Abschluss der Großen Ratsversammlung ernannt. Die Tadschiken der ehemaligen Nordallianz, Verteidigungsminister Mohammed Kasim Fahim und Außenminister Abdullah Abdullah, behalten ihre Ämter. Der Gouverneur der Provinz Paktia, Taj Mohammed Wardak, wurde als Nachfolger Kanunis neuer Innenminister.
Frauenministerium noch unbesetzt
Eines der 29 Ressorts im Kabinett des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, nämlich das Frauenministerium, blieb bisher unbesetzt. Gründe dafür wurden offiziell nicht genannt. Die bisherige Ministerin Seema Samar hatte sich mit ihrem beherzten Eintreten gegen religiösen Extremismus und für die Rechte der Frauen den Zorn einiger Hardliner zugezogen. Berichten zufolge wurde sie von islamischen Extremisten während der am Mittwoch zu Ende gegangen Großen Ratsversammlung (Loya Jirga) bedroht.
Die neue Kabinettsliste trägt dem Bemühen Karsais Rechnung, alle ethnischen Gruppen des Landes ausgewogen in seiner Regierung zu Amt und Würden kommen zu lassen. Angehörige der Paschtunen, der Bevölkerungsmehrheit in Afghanistan, hatten sich in der Vergangenheit häufig über Diskriminierungen seitens der Tadschiken beklagt. Einer der beiden Stellvertreter des Präsidenten, der selbst ein Paschtune ist, gehört dieser Bevölkerungsgruppe an, ebenso der Finanz- und der Innenminister in den "klassischen Ressorts".
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