Donnerstag, 6. Juni 2002

Schwere Unwetter über Mitteleuropa

  • Unwetter im Alpenraum forderten mindestens sechs Tote
  • Sachschäden zunächst nicht abschätzbar

Sintflutartige Regenfälle haben Donnerstagabend und Freitag in Deutschland, der Schweiz, Südostfrankreich und Norditalien Überschwemmungen verursacht, Schlammlawinen ausgelöst und Straßen blockiert. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben.

Ín Bayern kamen vier Menschen zu Tode. In Diedorf bei Augsburg ertranken zwei Männer und eine Frau in einer Tiefgarage. Bei der Frau war zuerst unklar, ob sie in einem Keller ertrank oder einen Herzinfarkt erlitt. Südlich von Lyon in Frankreich ertrank eine alte Frau im Hochwasser ihres Hauses am Fluss Drome. Mehrere Dörfer in der Region wurden durch überschwemmte Straßen vom Verkehr abgeschnitten. Auf Korsika starb eine Frau an Unterkühlung. Dörfer wurden verwüstet.

In Savoyen mussten 20 Jugendliche wegen überschwemmter Straßen die Nacht in ihrer Schule verbringen. In der Region Isere waren Straßen durch Hochwasser und Schlamm blockiert. Hubschrauber retteten Menschen, deren Häuser von Erdrutschen bedroht waren.

In Italien richtete das Unwetter vor allem in den nordöstlichen Regionen Venetien und Friaul erhebliche Schäden an. Wie die Nachrichtenagentur ANSA am Donnerstagabend meldete, stieg in Venedig der Wasserspiegel um 125 Zentimeter, sodass Hochwasseralarm gegeben wurde. Für den Monat Juni war dies ein Rekordstand.

Die gesamte Umgebung von Venedig sowie die Regionen Friaul und Piemont waren am schwersten von den Unwettern betroffen. In Teilen Friauls fielen binnen 24 Stunden 363 Millimeter Niederschlag. In einigen Städten wurde der Notstand ausgerufen. Doch auch weiter südlich bis nach Rom kam es zu schweren Regenfällen.

In der Schweiz wurden von Luzern über Zug, Winterthur bis nach St. Gallen hunderte Straßen, Unterführungen, Keller und Garagen unter Wasser gesetzt. Der Bahnhof Luzern musste kurzfristig den Betrieb einstellen. Die Bahnhofseinfahrt und viele Weichen waren überflutet. Die Hagelversicherung schätzt die Schäden auf 1,3 Millionen Euro.

Ursache der außergewöhnlichen Niederschlägen war die warme und extrem feuchte Luft, auf die ein Tief aus Südfrankreich gestoßen war. Die italienischen Meteorologen warnten vor neuen Regenfällen.

6.6.2002 18:24