Mindestens 20 Tote nach Staudamm-Bruch in Syrien
- Nur Minarett ragt noch aus Schlamm und Wasser

Die Zahl der Toten nach einem Dammbruch in Syrien hat sich auf 20 erhöht. Weitere vier Menschen würden noch vermisst, teilte der Gouverneur der nordsyrischen Stadt Hama am Mittwochabend mit. Die Bergungsarbeiten dauerten demnach an. Der mehr als fünf Kilometer lange und 43 Meter hohe Seisun-Staudamm war am Dienstag überraschend eingebrochen und hatte fünf Dörfer sowie Felder im Umkreis von rund 60 Quadratkilometern überschwemmt. Die meisten Bewohner konnten jedoch rechtzeitig evakuiert werden.
Der Stausee hat nach Angaben des Ministeriums eine Kapazität von 71 Millionen Kubikmetern. Bei dem Unglück sei nahezu die gesamte Füllmenge ausgelaufen. Die Überschwemmung erstreckte sich auf rund 60 Quadratkilometer, zumeist Ackerland. Syriens Präsident Basher el Assad hat den Angehörigen Sana zufolge eine Entschädigung von knapp 1.000 Euro für jeden Toten zugesagt.
Da die Telefonverbindungen zu der Unglücksregion abgerissen waren, gab es zunächst keine zuverlässigen Angaben über das gesamte Ausmaß der Schäden. Schätzungsweise 100 Häuser seien zerstört, berichtete Sana am Mittwoch. Am schwersten betroffen war danach das Dorf Seisun. Aus Wasser und Schlamm ragte am Mittwoch nur noch das Minarett der Moschee empor.
An der Staumauer der Talsperre in der Region Alghab nördlich der Stadt Hama hatten sich nach Angaben von Bewohnern bereits am Dienstag die ersten Risse gezeigt. Gewarnt von den Anzeichen des drohenden Dammbruchs hatten die Bewohner in den umliegenden Dörfern eilig und in Selbsthilfe mit der Evakuierung begonnen. "Es begann am Nachmittag an der Staumauer zu tröpfeln, und da sind wir losgerannt", sagte ein Bewohner des Dorfes As-Sijarah. In den Überschwemmungsgebieten trieben die Kadaver ertrunkenen Viehs.
Geflüchtete Bewohner aus Sejsun hätten die Nachbarn beim Vorbeifahren vor der Gefahr gewarnt, sagte ein Augenzeuge. "Sie schrien: 'Macht, dass ihr sofort rauskommt', und wir haben alles ins Auto gepackt und sind weg." In fünf Tagen hätte die Ernte eingeholt werden sollen. "Nun ist alles hin", fügte der Dorfbewohner hinzu. Die Geretteten klagten, die Behörden hätten auf die Hinweise auf die Gefahr nicht angemessen und schnell genug reagiert. "Da gab es 28 Telefone im Dorf, und jeder von uns hat bei der Provinzregierung angerufen", sagte Chaled Hassan Mohammed.
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