Freitag, 7. Juni 2002

Krebstest-Skandal: Arzt aus Haft entlassen

  • Keine Flucht-, Verdunkelungs-, oder Tatbegehungsgefahr
  • Hat Arzt seit ´94 Tausende Krebstests nicht weitergeleitet?

Der Skandal um den Villacher Frauenarzt: Der Gynäkologe wurde am Freitag aus der U-Haft entlassen. Begründung: Nicht mehr vorliegende Haftgründe. Der Vorwurf: Der Doktor soll seit ´94 tausende Krebstests nicht zur Untersuchung ans Labor weitergeleitet haben! Einer jener Krebstest-Abstriche, die in der Ordination sicher gestellt wurden, war positiv. Die Polizei ermittelt außerdem in einem Todesfall.

Staatsanwalt Joachim Riepl erhob gegen diese Entscheidung von Untersuchungsrichter Franz Müller Beschwerde.

Patientinnen gestorben
Weil Müller weder Flucht-, noch Verdunkelungs-, noch Tatbegehungsgefahr weiter vorliegen sah, gab er dem Antrag von Ceipeks Verteidiger Hans Gradischnig statt. Inzwischen wurde von der Kärntner Gebietskrankenkasse ein Schaden von über 40.000 Euro ermittelt. Der Staatsanwaltschaft liegen mehrere Anzeigen vor, laut denen Frauen an nicht erkanntem Gebärmutterhalskrebs verstorben sein sollen.

Riepl: "Ich gehe davon aus, dass der Arzt bald wieder in Haft genommen wird." Die Vorwürfe lauten immerhin auf gewerbsmäßig schweren Betrug und vorsätzliche Gemeingefährdung und sind mit bis zu zehn Jahren Haft bedroht. Der Arzt war im Juni auf Grund einer Anzeige des Landes Kärnten festgenommen worden, als sich im Zuge einer Studie über Gebärmutterhalskrebs in Kärnten gezeigt hatte, dass drei Frauen erkrankt waren, die bei ihm in Behandlung waren.



Bei der Hausdurchsuchung wurden auch einige noch frische Abstriche für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs vorgefunden. Die Staatsanwaltschaft hat die sofortige Überprüfung durch ein Labor veranlasst. Jetzt liegen die Ergebnisse vor: In einem Fall hat sich durch die zytologische Untersuchung der Verdacht auf ein Cervixkarzinom ergeben.

Als Konsequenz des Skandals hat der Präsident der Kärntner Ärztekammer, Othmar Haas, alle Frauenärzte aufgefordert, der Kammer kurzfristig bekannt zu geben, an welches Institut die Krebsabstriche zur Befundung eingesendet werden. "Durch eine Rückfrage bei diesen Instituten ist geplant, zweifelsfrei festzustellen, dass es sich bei dem schweren, gegen den Villacher Gynäkologen Dr. Eberhard Ceipek erhobenen Verdacht um einen nicht erklärbaren Einzelfall handelt", dazu Haas.

7.6.2002 13:13