Mehrphasen-Führerschein soll 2003 eingeführt werden
- Mehr praktische Ausbildung soll Unfallzahlen senken
- Reichhold: Initiativantrag noch vor dem Sommer

Der Mehrphasen-Führerschein soll bereits 2003 in Österreich eingeführt werden. Geplant ist demnach, dass Führerschein-Neulinge drei Monate nach der Prüfung eine zweistündige so genannte Feedback-Fahrt absolvieren, nach sechs Monaten ein eintägiges Training und nach neun Monaten eine weitere Feedback-Fahrt. Damit sollen Fehler ausgebügelt werden. KfV und ARBÖ sind für diesen Schritt, Kritik kam dagegen von der Arbeiterkammer.
Grund für die seit längerem immer wieder diskutierte zusätzliche praktische Ausbildung ist die hohe Zahl junger Menschen, die im Straßenverkehr verunglücken. Die Theorie-Stunden sollen dafür von 40 auf 32 Stunden reduziert werden, die Mindestzahl der Fahrstunden von 20 auf 18. Wesentlich teurer soll der Führerschein nicht werden. Die Mehrkosten sollen maximal 60 Euro betragen. Reichhold schätzt, dass die Ausbildung in einigen Regionen wegen der Konkurrenz der Fahrschulen untereinander sogar preisgünstiger werden könnte.
Vorbild für den Mehrphasen-Führerschein ist Finnland, wo diese Ausbildung zu einer Senkung der Unfallzahlen geführt hat. Auf die Einführung einer Mehrphasen-Fahrausbildung hatten vor mehr als einem Jahr bereits das Kuratorium für Verkehrssicherheit, die Autofahrerclubs ÖAMTC und ARBÖ sowie der Fahrschulfachverband gedrängt.
KfV und ARBÖ dafür, Kritik von AK
Während das Kuratorium für Verkehrsssicherheit (KfV) und der ARBÖ den geplanten Mehrphasen-Führerschein begrüßten, erneuerte die Arbeiterkammer (AK) Wien am Dienstag ihre Kritik an "grundlegenden Mängeln" im österreichischen Fahrschulwesen. Ohne eine Reform sei die Mehrphasen-Ausbildung auf Sand gebaut, hieß es in einer Aussendung.
"Ein Mehrphasen-Führerschein ist aus Gründen der Verkehrssicherheit sinnvoll - verdeckt wird aber die Sicht auf grundlegende Mängel im österreichischen Fahrschulwesen", kritisierte die AK. Die Aus- und Weiterbildung der Fahrlehrer müsste im Rahmen einer unabhängigen Akademie dringend in Richtung Qualitätssicherung reformiert werden, Zugangsbarrieren bei der Eröffnung neuer Fahrschulen und mangelnder Wettbewerb müssten beseitigt und die Transparenz über Preise und Angebote für Kunden dringend verbessert werden, hieß es.
"Jetzt ist endlich ein erster Schritt getan zur Realisierung der lange geforderten Mehrphasen-Ausbildung", erklärte Othmar Thann, Direktor des KfV. Die geplante erweiterte Ausbildung verhindere, dass Fahranfänger aus der Übung kommen. Das österreichische Modell der Führerscheinausbildung in mehreren Phasen habe große Chancen, auch EU-weit übernommen zu werden.
Als "wichtigen Schritt zur Hebung der Verkehrssicherheit" bezeichnete der ARBÖ den Vorschlag. Durch die Verbesserung der Ausbildung von Fahranfängern erwartet der ARBÖ, "dass die Anzahl der Unfälle, Toten und Verletzten auf Österreichs Straßen deutlich reduziert wird", hieß es.
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