Montag, 3. Juni 2002

Alfred Finz mit 93,26% zum Wiener ÖVP-Chef gewählt

  • Finz will Erscheinungsbild der Partei ändern

Finanzstaatssekretär Alfred Finz (58) ist am Samstagnachmittag in Wien mit 93,26 Prozent der Delegiertenstimmen vom Parteitag der Wiener ÖVP zum neuen Obmann gewählt worden. Er folgt in dieser Funktion auf Bernhard Görg, der fast zehn Jahre lang an der Spitze der Partei gestanden ist. 650 Stimmen wurden abgegeben, 579 waren gültig, 93,26 Prozent davon entfielen auf Finz. Der neue Wiener VP-Obmann war 33 Jahr lang im Rechnungshof tätig und ist im Februar 2000 Mitglied der Bundesregierung geworden.

Auch die vier neuen Stellvertreter des Obmanns wurden gekürt: Es sind dies Carina Felzmann (36), Vizepräsidentin der Wiener Wirtschaftskammer, die Arbeiterkammer-Funktionärin und ÖAAB-Frauenchefin Christine Marek (34), die Simmeringer Bezirksobfrau Gabriele Tamandl (36) sowie der Wiedener VP-Obmann und Gemeinderat Johannes Hahn (44).

Alfred Finz plädierte in seiner Rede am Landesparteitag für eine Veränderung des Erscheinungsbilds der Partei. Sie müsse zu einem "modernen Dienstleistungsunternehmen" werden, forderte Finz: "Es reagiert sofort auf Kundenwünsche, es muss flexibel sein, und das müssen wir auch schaffen." Bei der Nationalratswahl will er in Wien 20 Prozent erreichen.

Ein erster Schritt zur oft geforderten Verjüngung der Partei sei bereits gelungen, betonte der Görg-Nachfolger. Mit seinen vier Stellvertretern Carina Felzmann, Christine Marek, Gaby Tamandl und Johannes Hahn sei "ein Schuss Jungheit" dazugekommen.
Mit mehr Unterstützung dürfen laut Finz in Zukunft auch die Bezirke rechnen. Er will in seinem Team einen Bezirksverantwortlichen einrichten, denn "in den Bezirken passiert urbane Politik, der direkte Kontakt mit dem Bürger."

Die ÖVP müsse auch Freidenkern und Kritikern Platz bieten, forderte Finz. Allerdings bat er, zukünftige innerparteiliche Diskussionen nicht in die Öffentlichkeit zu tragen und forderte die Partei auf, geschlossen hinter ihrer Führung zu stehen.

Seine erste Aufgabe als neuer Wiener VP-Obmann sieht Finz in der Nationalratswahl im Jahr 2003. Ziel sei es, in Wien 20 Prozent der Stimmen zu erreichen. Dann könne man auf Bundesebene mit 30 Prozent rechnen.

Heftige Kritik übte Finz an der SPÖ. Diese werfe der Bundesregierung zwar eine Belastungswelle vor, habe aber selbst zahlreiche Gemeindegebühren erhöht. Die Stadt verschwende außerdem Geld, indem tausende geförderte und Gemeindewohnungen leer stünden. Auch das von der Wiener Stadtregierung geplante Ausländerwahlrecht auf Bezirksebene kritisierte er.

Dank äußerte Finz gegenüber seinem Vorgänger als Landesparteiobmann, Bernhard Görg. Dieser habe ihm eine ordnungsgemäß geführte Partei überlassen. "Das vergessen wir dir nicht!", betonte Finz.

3.6.2002 13:01