Samstag, 1. Juni 2002

50 Jahre Elisabeth II.: Großbritannien im Queen-Fieber

  • Musik, Champagner und Schmerzmittel
  • PLUS: Alles zum Jubiläum und den Feierlichkeiten

Bereits am ersten Tag der Jubiläumsfeiern für Königin Elizabeth II. hat sich Großbritannien im Ausnahmezustand befunden. Nach einem Bericht der britischen Zeitung "Financial Times" vom Samstag rüstete sich die Nation für eine mehrtägige Orgie: Der Verkauf von Bier und Spirituosen, britischen Flaggen, Kondomen und Medikamenten gegen "Kater" habe in den vergangenen Tagen Rekordhöhe erreicht. Für Samstagnachmittag wurden rund 12.000 Gäste zu einem Picknick auf dem Rasen des Buckingham-Palasts erwartet. Bis Dienstag sind tausende von Straßenfesten sowie Umzüge und Konzerte geplant.

Rund ein Drittel der Briten wollte nach Schätzungen des britischen Fremdenverkehrsverbandes an einer der zahllosen Veranstaltungen zum 50-jährigen Thronjubiläum der Königin teilnehmen. Lord Sterling of Plaistow, der Leiter des offiziellen Veranstaltungskommitees, freute sich auf über die Feierlaune seiner Landsleute: "Ich nehme an, dass sich alle in den Union Jack einwickeln." Die britische Tageszeitung "Evening Standard" sprach von der "größten Feier der Geschichte".

Die 12.000 zum Picknick im Garten des Buckingham-Palastes zugelassenen Gäste ware größtenteils ausgelost worden. "Bringt euer Picknick, eure Kinder, euren Wein mit und teilt den ganzen Abend miteinander", rief Lord Sterling die Geladenen auf. Der Palast öffnete seine Tore damit zum ersten Mal für die Öffentlichkeit. Abends sollte im königlichen Park ein klassisches Konzert mit dem Cellisten Mstislaw Rostropovitsch und der Sopranistin Kiri Te Kanawa stattfinden.

Neben den Mitgliedern der königlichen Familie war auch für die langjährige Geliebte von Prinz Charles, Camilla Parker-Bowles, ein Platz in der Ehrenloge reserviert. Es war das zweite Mal, dass Charles sich gemeinsam mit seiner Freundin im Buckingham-Palast zeigen durfte. Die Queen hatte erst im April ein Zugeständnis gemacht, indem sie Parker-Bowles zur Trauerfeier für Queen Mom einlud; dort durfte Camilla allerdings noch nicht bei den Royals sitzen.

Am Montag - rund 4.000 Straßenfeste
Für Montag sind in ganz Großbritannien rund 4.000 Straßenfeste geplant. Vor dem Buckingham-Palast soll ein großes Popkonzert mit Künstlern wie Paul McCartney und Elton John stattfinden. Königin Elizabeth will die letzte halbe Stunde zuhören und hat sich sogar zu einem kurzem Auftritt auf der Bühne bereiterklärt. Zur Feier des Tages hat sie ihren Untertanen im ganzen Land freigegeben und den Briten so ein verlängertes Wochenende beschert. Für Dienstag sind weitere Paraden, Umzüge und Feiern vorgesehen. Der Sonntag sollte in erster Linie dem Gebet vorbehalten sein - und dem Fußball-WM-Spiel England gegen Schweden.

Die Feierlichkeiten in London finden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Auf dem Dach des Buckingham-Palasts werden nach Angaben der Londoner Polizei Scharfschützen postiert; Polizeihubschrauer sollen die Stadt aus der Luft überwachen. Obwohl es keine konkrete Drohung gebe, müsse die Polizei "bestimmte Vorsichtsmaßnahmen" treffen - "ganz besonders nach dem 11. September", sagte ein Sprecher. Bereits im Vorfeld hatte die Polizei sämtliche Häuser an der Strecke der geplanten Umzüge gründlich untersucht; auch Kanaldeckel und Briefkästen wurden kontrolliert. Die Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen belaufen sich auf mehrere Millionen Euro.

Der britische Botschafter in Berlin, Sir Paul Lever, sagte im DeutschlandRadio, es gebe in der Bevölkerung "überhaupt keine Unterstützung" für eine Alternative zur Monarchie. Vielmehr sei die Monarchie in Großbritannien eine "ziemlich stabile Institution".

1.6.2002 11:07

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