Preiskommission: Der Euro war kein "Teuro"
- Der erwartete Preisschub blieb aus
- Österreich nach der €-Einführung das preisstabilste Land

"Ja, es hat in einzelnen Branchen und verschiedenen Bereichen wie der Gastronomie Preiserhöhungen gegeben, aber - wie die Verbraucherpreisentwicklung zeigt -, den befürchteten Euro-bedingten Preisschub hat es nicht gegeben". Das ist laut Karl Kollmann, Konsumentenschützer der Arbeiterkammer (AK) und von der AK entsandtes Mitglied in der Euro-Preiskommission, die Kernaussage des zweiten Berichtes der Euro-Preiskommission, der heute im Wirtschaftsausschuss des Parlamentes endbehandelt wird.
Ein dritter Bericht soll im September oder Oktober abgeschlossen werden, so Kollmann. Wie berichtet gibt die Euro-Preiskommission in ihrem zweiten Bericht Entwarnung auf der Preisfront: Ein "Teuro" sei der Euro nicht gewesen. Er habe zwischen dem 1. Oktober 2001 und 31. Jänner 2002 keine Preiserhöhungen auf breiter Front ausgelöst. Vereinzelte Preiserhöhungen bei bestimmten Leistungen von Restaurants und Cafes sowie bei einigen Industrieerzeugnissen werden für diesen Zeitraum aber eingeräumt. Diese hätten aber nur sehr bescheidene Auswirkungen auf die Teuerung gehabt, so die Preiskommission in ihrem am 8. März fertig gestellten Bericht.
Kollmann sieht den Grund für den Erfolg im guten Euro-Begleitrecht, in der aktiven Euro-Preiskommission und intensiven Beobachtungstätigkeit der Arbeiterkammern. Diese seien eine "treibende Kraft" gewesen und hätten "780 Preiserhebungen durchgeführt und äußerst rege publiziert".
Erst kürzlich wurde auch vom europäischen Statistikamt Eurostat festgestellt, dass Österreich nach der Euro-Einführung das preisstabilste Land war. Mit einer Teuerungsrate von 1,8 Prozent in den ersten drei Monaten 2002 hatte Österreich die geringste Teuerung unter allen Euro-Ländern. Weniger stark - nämlich um 1,5 Prozent - waren die Preise nur im nicht zur Eurozone gehörenden Großbritannien stiegen.
Laut dem zweiten Bericht der Euro-Preiskommission haben die österreichischen Unternehmer ihre gesetzliche Verpflichtung zur doppelten Preisauszeichnung überwiegend erfüllt. Bundesweit sind bis Ende Jänner 67 Organstrafverfügungen und 44 Anzeigen verzeichnet worden. Von 1.200 Anfragen habe sich eine Prüfungsgruppe lediglich mit 116 schwierigeren Fällen befassen müssen. Nach einem Höhepunkt in den ersten beiden Jänner-Wochen habe die Zahl der Beschwerden unterdessen wieder abgenommen.

