Sonntag, 2. Juni 2002

Afrikas "Fußballer des Jahres" der erste WM-Star

  • Ziel des "Serienmörders" ist Liverpool; Lens will ihn halten

Die Pokerrunde um den ersten Star der 17. Fußball- Weltmeisterschaft ist in vollem Gange. Nur wenige Stunden nach der Gala von El Hadji Diouf im Eröffnungsspiel gegen Frankreich streiten der FC Liverpool und der RC Lens um Senegals Stürmer.

Während der englische Rekordmeister verkündete, Diouf habe einen Fünf-Jahres- Vertrag unterschrieben, dementierte der französische Vizemeister, bei dem Afrikas "Fußballer des Jahres" bisher auf Torejagd ging. Am Ende dürfte es vor allem um die Ablösesumme gehen, die derzeit auf umgerechnet 16 Millionen Euro geschätzt wird.

Der Fall zeigt: Viele bisher weniger bekannte Profis wollen die Endrunde in Japan und Südkorea als Sprungbrett nutzen. "Wäre Diouf bei Juventus oder Arsenal, hätte er längst das Niveau eines Trezeguet oder Henry erreicht", meint Senegals Trainer Bruno Metsu.

In Lens verpasste Diouf jüngst am letzten Spieltag noch den Meistertitel gegen Lyon. Dort machte der 21-Jährige mit nur zehn Saisontoren, davon zwei Elfmeter, seinem Spitznamen "Serienmörder" nicht unbedingt Ehre. Doch Liverpool will ihn trotzdem. Lens ließ jedoch wissen, die Gespräche würden frühestens nach der WM-Vorrunde fortgesetzt. "Ich will einer der besten Fußballer der Welt werden", erklärte Diouf, der zur erstmaligen WM-Qualifikation von Senegal acht der 14 Tore beisteuerte und zum Volksheld avancierte.

Im Ensemble von Trainer Bruno Metsu genießt er als Einziger alle Freiheiten. "Wir werden so auftreten, dass unser Einzug ins Achtelfinale kein Wunder ist, sondern eine logische Konsequenz", hatte er vor dem Eröffnungsspiel angekündigt. Dem großmundigen Versprechen folgten Taten. "Ich bin zufrieden für den Senegal und ganz Afrika. Es hat mir unglaublichen Spaß gemacht, obwohl ich vorn ganz allein war", konstatierte Diouf, dem sonst Henri Camara im Angriff hilft.

Bei der WM erwartet er noch viel von seinem Team: "Niemand hat uns etwas zugetraut. Aber wenn wir so weiter arbeiten wie bisher, werden wir keine Probleme haben." Der Halbfinal-Einzug sei keine Illusion. Es wäre das beste Ergebnis einer afrikanischen Mannschaft bei einer WM. Aber: Spätestens seit Freitag wissen auch alle, was Diouf kann.

2.6.2002 13:03