Samstag, 1. Juni 2002

Baric traut Kroatien bei WM Viertelfinal-Einzug zu

  • Mexiko-Spiel für Ex-ÖFB-Teamchef entscheidend
  • "Routine ist wichtiger als Jugend"

Für den ehemaligen österreichischen Fußball-Teamchef Otto Baric könnte Kroatien nach dem dritten Platz bei der Fußball-WM 1998 in Frankreich auch in Südkorea und Japan für positive Überraschungen sorgen. "Ich bin überzeugt, dass sie in die zweite Runde kommen. Auch das Viertelfinale ist durchaus drin, und von da an ist sowieso alles möglich", gibt "Otto Maximal" seinen Landsleuten, die in Gruppe G mit Italien, Mexiko und Ecuador spielen, gute Chancen.

Für Baric ist die Auftaktpartie der Kroaten am Montag (ab 8.30 Uhr LIVE auf NEWS Networld) gegen Mexiko entscheidend. "Dieses Match muss unbedingt gewonnen werden, dann sieht es sehr gut aus", prophezeite der ehemalige Meister-Trainer von Rapid und Salzburg, der das kroatische Nationalteam bei der EM 1996 in England als Assistenz-Trainer betreut hatte.

Dass die kroatischen Leistungsträger wie der Torschützenkönig der vergangenen WM, Davor Suker, und Regisseur Robert Prosinecki in die Jahre gekommen sind, sieht Baric eher als Vorteil denn als Nachteil. "Das Alter ist sicher nicht das Problem. Routine ist wichtiger als Jugend", meinte Baric, der allerdings ein Manko in punkto Kreativität im Mittelfeld ortete. "Die Abgänge von Boban und Asanovic sind nur schwer zu kompensieren, aber Prosinecki kann ein Führer sein."

Die Stärken der Kroaten liegen für Baric vor allem in der stabilen Abwehr, aber auch im Angriff. "Boksic ist ein Klassestürmer, hoffentlich bekommt er seine kleineren Blessuren in den Griff", meinte der vor Kurzem als Salzburg-Sportdirektor zurückgetretene Baric, für den der verletzungsbedingte Ausfall von Igor Tudor ein "riesiger Verlust" ist. "Aber es gibt auch Spieler, die sich groß ins Rampenlicht spielen könnten, wie zum Beispiel Balaban oder Olic." Trotzdem sollten sich die kroatischen Fans laut Baric nicht zu viel erwarten. "Die Erwartungshaltung in Kroatien ist sehr groß, aber jene Leute, die etwas vom Fußball verstehen, wissen, dass wahrscheinlich nur ein Platz unter den ersten Acht möglich ist."

Baric selbst wird nach der Kündigung in Salzburg die WM in Kroatien via TV mitverfolgen und dabei Gastkommentare für zwei kroatische Zeitungen verfassen. "Ich will mich jetzt einmal zwei Monate ausruhen und dabei meine Angebote sondieren. Eine Arbeit als Sportdirektor würde mich interessieren, den Trainerjob will ich nur bei einem halbwegs großen Klub machen", sagte Baric, der Frankreich und Kroatien zu den Topfavoriten zählt.

1.6.2002 10:53