Freitag, 31. Mai 2002

3 Millionen Deutsche schauten in die (schwarze) Röhre

  • ARD und ZDF erhielten keine Rechte für Digital-Übertragung

Die 17. Fußball-Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan hat in Deutschland mit einem handfesten Fernsehskandal begonnen. Rund drei Millionen Bundesbürger schauten am Freitag in die Röhre. Sie konnten das Eröffnungsspiel Frankreich - Senegal nicht live in der ARD sehen. Entgegen aller Beteuerungen scheiterten wenige Stunden vor dem WM-Start die Bemühungen von ARD/ZDF und SAT.1, im Streit um die digitale Satelliten-Übertragung eine Einigung mit dem Rechteinhaber KirchMedia zu erzielen.

Ausgerechnet die rund eine Million TV-Haushalte, die mit der modernsten Technik ausgestattet sind, können die 24 WM-Spiele von ARD/ZDF nicht live verfolgen.

"Leidtragende sind ausschließlich Digital-Empfänger, doch KirchMedia hat bis zuletzt Hürden aufgebaut und Auflagen gemacht, die wir nicht erfüllen konnten", bedauerte ZDF-Intendant Markus Schächter das Scheitern. Noch am Dienstag sprach alles für eine Einigung im monatelangen Digital-Streit. ARD und ZDF hatten für ihre Zuschauer mit digitalen Empfangsräten spezielle WM-Kanäle eingerichtet, die im Ausland nicht oder schwer empfangbar sein sollten. Doch statt Fußball wurden am Freitag auf den WM-Kanälen Hinweisschilder eingeblendet, die über die neue Situation informierten.

Schadensersatzforderungen zu hohes Risiko
Eine Einigung scheiterte vor allem an unkalkulierbaren Schadensersatzforderungen ausländischer TV-Sender. Die inzwischen insolvente KirchMedia hatte die digitalen Ausstrahlungsrechte in andere Länder wie Spanien, Norwegen und Polen verkauft, die auf ihre teuer erworbene Exklusivität pochten. Nach dpa-Informationen hatte sich am Freitag ein amerikanischer Anwalt gemeldet, der als Vertreter mehrerer nordafrikanischer Sender mögliche Schadensersatzforderungen für den Fall geltend machte, dass die ARD/ZDF-Übertragungen in diesen Ländern zu sehen sind. Dieses Risiko wollten die öffentlich-rechtlichen Sender nicht eingehen.

Fatal: Übertragung nicht im Vertrag festgeschrieben
"Wir waren zu Ersatzzahlungen bereit für den Fall, dass anderen Rechteinhabern durch unsere Übertragung Schaden entstehen könnte. Nun aber werden von Kirch im letzten Moment Nachforderungen erhoben, die uns einen unkalkulierbaren Schadensersatz abverlangen. Das können wir vor den Gebührenzahlern nicht verantworten", sagte der stellvertretende ARD-Vorsitzende Peter Voß. Nachteilig wirkte sich aus, dass ARD/ZDF in ihrem vielfach als überteuert bezeichneten 125 Millionen Euro-Vertrag mit KirchMedia darauf verzichtet hatten, die unverschlüsselte Übertragung der 24 WM-Spiele im Digital-TV fest zu schreiben.

Auch SAT.1-Kunden betroffen
ZDF-Sprecher Philipp Baum hatte immerhin einen kleinen Tipp für die geschädigten TV-Zuschauer parat: "Mit Hilfe einer Zimmerantenne können sie auch die WM verfolgen". Auch SAT.1 ist nach eigenen Angaben von der neuen TV-Situation betroffen. Die tägliche Zusammenfassung "ran - WM-Fieber" kann nur von digitalen Satelliten-Empfängern gesehen werden, die eine d-box zum Entschlüsseln besitzen. Für die anderen digitalen TV-Zuschauer bleibt nur ein Flimmern auf der Mattscheibe.

31.5.2002 16:02