Sparsame WM-Fans müssen auf Komfort verzichten
- Im Kimono in der klimatisierten Kapsel
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Für WM-Touristen wird die Reise nach Japan ein teurer Spaß. Im Land der 44-Euro-Melonen sorgen die Lebenshaltungskosten in kürzester Zeit für Ebbe im Portemonnaie. Besonders die Hotels nehmen gepfefferte Preise: Eine Unterkunft im westlichen Stil kann zwischen 15.000 und mehr als 50.000 Yen (130 bis 435 Euro) kosten.
Wer bei den Übernachtungen sparen will, kann auf ein so genanntes "Kapsel-Hotel" (Bild) ausweichen und im Kimono in einer anderthalb Meter breiten und zwei Meter langen klimatisierten Wabe nächtigen. Bis zu 3.500 Yen (30 Euro) kostet der futuristische Schlafplatz in gepflegtem Ambiente. Das gesparte Geld geht dann für die teuren Essens- und Transportkosten drauf.
Wer in einer Plastikkapsel übernachtet, kann sogar die Eintrittskarte für das Fußballstadion sparen: Auf dem integrierten Mini-Fernseher oder über das eingebaute Radio lassen sich die WM-Spiele prima verfolgen. Für Klaustrophobe gibt es in den "capuseru hoteru" eine Alternative: Sie können im Ruhesaal schlafen, in dem ein Liegesessel neben dem anderen steht. Auch da steht ein Fernseher. Der Nachteil dieser Variante: Frauen haben meist keinen Zutritt. Doch gerade zur Fußball-WM sind die Männer bekanntlich ohnehin gern unter sich.
Vorsicht vor betrunkenen Ausländern
Viele Japaner zweifeln allerdings daran, dass sich die internationale Männergesellschaft der japanischen Zurückhaltung anpasst. "Wir haben hier in der Gegend oft betrunkene Ausländer gesehen, und ihr Verhalten hat gezeigt, wie verschieden die Kulturen sind", sagt Shuichi Suzuki, der ein Kapsel-Hotel in der Nähe des Stadions von Yokohama leitet. Daher seien ausländische Gäste in seiner Herberge nicht willkommen. Im "Capsul Inn" in Sapporo dagegen sind Ausländer willkommen - wenn auch nur männliche, wie Empfangschef Shoinobu Kawamura erklärt. Allerdings mache er sich Sorgen über die Begegnung Argentinien gegen England. Alle Gäste könnten sich das Spiel gemeinsam im Aufenthaltsraum anschauen, sagt Kawamura. Da könne es schnell zu Schlägereien zwischen den Fans kommen.
Wer auf Privatsphäre nicht verzichten will, aber nicht bis zu 50.000 Yen für ein typisch japanisches Ambiente in einem traditionellen "Ryokan"-Hotel aufbringen kann, weicht auf ein "Business-Hotel" aus. Für rund 5.000 Yen sind dort winzig kleine, spartanisch eingerichtete Zimmer zu mieten, deren Vorteil immerhin meist ihre Nähe zu Bahnhöfen ist. Wer japanische Gastfreundschaft kennen lernen will, kann für rund 7.000 Yen in eine private Pension, eine "Minshuku", ziehen. Für den gleichen Preis ist mit etwas Glück ein Plätzchen in einem buddhistischen Tempel zu haben. Sollte es trotz des großen Angebotes an Herbergen dennoch zu Engpässen kommen, wollen viele Städte öffentliche Gebäude bereit stellen, wie Toshihiko Sawada, Vizepräsident des japanischen Fremdenverkehrsvereins, erklärt.
Hohe Lebenserhaltungskosten in Japan
Beim Essen müssen sich die Gäste jedoch selbst helfen. Auch hier gilt: Passt man sich den einheimischen Sitten an, wird der Geldbeutel geschont. Wer rohen Fisch mag, kann in einem "Kaiten Sushi" für 100 Yen pro Teller genüsslich über die europäischen Sushi-Preise lächeln. In den Supermärkten gibt es Picknick-Sets für rund 4.500 Yen. Und unter den 110.000 Restaurants in Japans Hauptstadt Tokio wird sich wohl ein preisgünstiges finden. In den "Izakayas" unter den Bahnhöfen gibt es günstige Fleischstäbchen. Und das Bier kostet dort unter 1.000 Yen - ein Schnäppchen für Tokioter Verhältnisse. Nur bei den öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es keine Ausweichmöglichkeiten. Aber wer gut informiert ist, kann mit den entsprechenden Karten reduzierte Tickets bekommen.
