Dienstag, 28. Mai 2002

Japan und Südkorea hoffen auf besseres Verhältnis

  • Beziehungen zwischen den beiden Ländern historisch belastet
  • Gemeinsame Austragung der WM soll zur Entspannung beitragen

Mit der gemeinsamen Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft schlagen Südkorea und Japan ein neues Kapitel in ihren historisch belasteten Beziehungen auf. Beide Länder erhoffen sich durch die Zusammenarbeit für das Großereignis eine spürbare Verbesserung des Verhältnisses, das durch tief sitzendes Misstrauen geprägt ist. Im Vorfeld der Titelkämpfe haben die gegenseitigen Kontakte vor allem unter der Jugend beider Länder spürbar zugenommen.

Wie groß die Spannungen zwischen beiden Nachbarstaaten sind, hatte sich schon im Vorfeld der WM gezeigt. Japan und Südkorea hatten sich ursprünglich getrennt beworben. Nach einem erbittert geführten Wettbewerb hatte die FIFA beide Länder zu einer gemeinsamen Austragung genötigt, was weder Tokio noch Seoul freute. Schon das Logo zur "gemeinsamen" WM sorgte für Krach, als in Japan aus "Korea-Japan" "Japan-Korea" geworden war. Inzwischen habe sich das Verhältnis erheblich verbessert, heißt es auf japanischer Seite.

Japanische Besetzung Südkoreas noch nicht vergessen
Japans Großmachtstreben Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hat Wunden nicht nur auf der koreanischen Halbinsel, sondern in fast ganz Asien hinterlassen. Und sie sind noch nicht verheilt. Die koreanische Minderheit in Japan ist noch immer Diskriminierungen ausgesetzt. Im Bewusstsein der Südkoreaner sitzt die Schmach der Kolonialherrschaft durch Japan (1910-1945) weiterhin tief. Im vergangenen Monat, also mitten in den Vorbereitungen zur WM, verärgerte der japanische Regierungschef Junichiro Koizumi Südkorea mit einem erneuten Besuch in Tokios Yasukuni-Schrein, wo Japan seiner Kriegstoten, darunter auch verurteilte Kriegsverbrecher, gedenkt.

Kontakte unter Jugendlichen geben Hoffnung
In Reaktion auf Japans Veröffentlichung umstrittener Schulbücher, die die eigene Kriegsvergangenheit und Kolonialherrschaft beschönigend darstellen, verschob Seoul im vergangenen Jahr die weitere Öffnung seines Marktes für japanische Kulturprodukte. Der Import von CDs und Videos in japanischer Sprache bleibt vorerst verboten. Dennoch ändern sich die Zeiten. Im Vorfeld der WM haben die Kontakte zwischen Japanern und Südkoreanern zugenommen, vor allem die Jugend ist dabei, sich gegenseitig zu entdecken. Durchschnittlich 10.000 Menschen fliegen täglich zwischen Tokio und Seoul hin und her. Ob es ums Essen geht, Filme oder Musik - Korea gilt unter jungen Japanern als chic, viele besuchen Sprachkurse für Koreanisch.

Mehrheit erwartet bessere Beziehungen durch WM
"Ich fordere meine Studenten immer auf, nach Korea zu reisen, damit sie Freundschaft zwischen ihren Generationen schließen können", sagt Inuhiko Yomota, Professor an der japanischen Meiji-Gakuin-Universität, und fügt hinzu: "Wenn man Freundschaft schließt, redet man auch miteinander." In einer Erhebung der japanischen Zeitung "Mainichi Shimbun" und der südkoreanischen Zeitung "Chosun Ilbo" gaben Anfang dieses Jahres jeweils 52 Prozent der gut 1.000 Befragten in beiden Ländern an, sie erwarteten durch die WM eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen. Viereinhalb Jahre zuvor meinten dies noch 29 Prozent der Japaner, in Südkorea waren es 42 Prozent.

"Gemeinsame Austragung sehr wichtig"
Kürzlich sagte sogar der japanische Kaiser Akihito, er fühle eine "gewisse Nähe zu Korea" und wies auf eine Koreanerin in seiner Verwandtschaft hin. Trotzdem darf nur sein Cousin, Prinz Takamado, zur Eröffnungsfeier am Freitag nach Seoul. Ein "Wundermittel" werde die WM nicht sein, sagte der Sprecher des koreanischen Organisationskomitees (KOWOC), Lin Byung Taik. "Im historischen Kontext ist die gemeinsame Austragung dennoch sehr wichtig." Sie könne Impulse für die weitere Entwicklung der Beziehungen geben.

28.5.2002 14:36