Dienstag, 28. Mai 2002

Deutsche schotten sich vor WM-Auftakt komplett ab

  • Training nur noch hinter verschlossenen Türen
  • Kahn: "Wir betrachten das erste Spiel schon als Endspiel"

Der Kapitän erklärt schon das erste Spiel zum Finale, der Teamchef schaltet alle möglichen Störfaktoren aus: Bereits vier Tage vor der Bewährungsprobe gegen Saudi-Arabien ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Miyazaki total abgetaucht, um sich ganz gezielt auf das WM-Auftaktspiel vorzubereiten. Der letzte Feinschliff im Training findet dabei ab sofort ausschließlich hinter verschlossenen Türen statt, das Freizeitprogramm der Spieler wird auf ein Minimum reduziert.

"Wir haben ein Ziel. Für dieses Ziel muss man alles hinten anstellen", rechtfertigte Oliver Kahn den frühzeitigen Rückzug aus der Öffentlichkeit. Für den Kapitän werden die ersten 90 WM-Minuten am kommenden Samstag in Sapporo zur Stunde der Wahrheit: "Das erste Spiel ist absolut entscheidend für den Turnierverlauf. Wir werden dieses erste Spiel schon für uns als Endspiel betrachten."

Der 32-Jährige, der bei seiner dritten WM-Teilnahme erstmals die Nummer eins im Tor ist, erinnerte am Dienstag an die Endrunde 1990 in Italien, als die deutsche Elf in Mailand mit einem 4:1-Erfolg gegen Jugoslawien einen Traumstart ins WM-Turnier erwischte, das 28 Tage später mit dem Titelgewinn in Rom endete. "Den Euphorie-Schwung des ersten Spiels hat die Mannschaft mitgenommen und ist dann bis ins Endspiel durchgelaufen", betonte Kahn, der umgekehrt um die Gefahr eines Fehlstarts weiß: "Es wird sehr schwierig, wenn man in ein Turnier hineinstolpert." Beim EM-Desaster vor zwei Jahren in Belgien und den Niederlanden war ein 1:1 gegen Rumänien der Anfang vom Ende gewesen.

Um ein ähnliches Debakel in Japan und Südkorea zu vermeiden, geht Rudi Völler akribisch vor. Keine Trainingsbilder mehr sollen den Gegner bis zum Vorrunden-Duell am Samstag in Sapporo erreichen, die etwas über Taktik und Aufstellung verraten könnten. Bei Standardsituationen (gute Kopfballspieler, die Österreicher wissen das) und Freistößen können die Deutschen gefährlich sind.

28.5.2002 12:52