Klage gegen FIFA-Präsident Blatter wird zurückgezogen
- Generalsekretär Zen-Ruffinen wird nach Ende der WM gefeuert
- Plus: Blatter-Porträt und die Reaktionen
Der Fußball-Weltverband FIFA wird sich nach Ende der WM in Südkorea und Japen von seinem Generalsekretär Michel Zen- Ruffinen trennen. Dies beschloss das FIFA-Exekutivkomitee am Freitag in Seoul. Gleichzeitig beschloss das Spitzengremium, dass die elf Exekutivmitglieder, die gegen FIFA-Präsident Joseph Blatter eine Klage bei einem Züricher Gericht eingereicht hatten, diese sofort zurückziehen.
Der Vertrag mit Zen-Ruffinen, der gegen Blatter in einem Dossier bis zur Korruption reichende Anschuldigungen erhoben hatte, werde mit 4. Juli aufgelöst. Bis dahin wird Zen-Ruffinen weiter in der WM-Organisation eingebunden bleiben, hieß es in einer Mitteilung am Eröffnungstag der WM.
Blatter will für Frieden sorgen
Blatter kann auf die neuen Macht- und Mehrheitsverhältnisse im neu formierten Exekutivkomitee bauen. Gerhard Mayer-Vorfelder, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und der französische Ex-Nationalspieler Michel Platini gelten als Blatter-freundlich. Allerdings gehören dem Spitzengremium weiterhin die rebellischen FIFA-Vizepräsidenten Lennart Johansson (Schweden), Chung Mong-Joon (Südkorea), David Will (England) und Hayatou an. "Für die Einheit in der FIFA-Regierung muss ich noch arbeiten. Aber mein Friedensangebot steht", sagte Blatter, "allerdings erwarte ich das auch von der anderen Seite."
Er sei seinen Widersachern entgegen gekommen, nun erwartet Blatter dies auch von seinen Gegnern. "Jetzt sind sie am Zug. Konkret heißt das: Ich erwarte, dass man die absurde Strafklage gegen mich zurücknimmt", forderte er. Nach Vorlage des Zen-Ruffinen-Reports hatten elf von 24 Exekutivmitgliedern, darunter fünf Vizepräsidenten, eine Klage bei einem Zürcher Gericht gegen Blatter eingereicht.
Weltweit mehrheitlich negative Reaktionen
Das weltweite Echo auf seine Wiederwahl, die von einer monatelangen Schlammschlacht und Grabenkämpfen geprägt war, fiel wenig schmeichelhaft für den alten und neuen Präsidenten aus. Blatters erdrutschartiger Sieg beweise, dass das weltumfassende Spiel innerlich so korrupt sei, "dass man nicht mal den Schleim erkennt, in dem es steckt", schreibt der britische "Daily Mirror". Die "Daily Mail" schlägt in die gleiche Kerbe mit der Schlagzeile: "Der Tag, an dem der Fußball für Korruption stimmte."
Einen "hässlichen Tanz mit Elefanten" nannte die "Jyllands-Posten" (Dänemark) die Wahl. Die italienische "La Repubblica" klagte hingegen, dass der Kameruner Hayatou nicht zum Zuge kam: "Kein 'schwarzer Papst' für den Weltfußball, aber ein Triumph des der Korruption Verdächtigen."
"Günstlingswirtschaft, Demokratiedefizit"
Unterschiedlich werteten die Blätter in seiner Heimat den Blatter-Sieg. Der "Tages-Anzeiger" kritisierte die "gehässige und unerträgliche Kampagne" gegen ihn. Die "Basler-Zeitung" empfand den 139:56-Erfolg "als Gegenteil eines Zufallresultates", das aber auch kein Beweis dafür sei, das die oft bemühte FIFA-Familie "restlos glücklich" geworden ist. Für die "Berner Zeitung" habe die Wahl gezeigt, wie das FIFA-System funktioniert: "Lockerer Umgang mit Geld, Günstlingswirtschaft, fehlende Kontrolle, Demokratiedefizit, Männerfreundschaften, Oligarchie."
