Donnerstag, 30. Mai 2002

Präsident Bruckmüller ist Tirols allerletzte Hoffnung

  • 4,5 Millionen Euro sind zur Rettung nötig
  • Staatsanwaltschaft durchleuchtet Hochstaffls Firmengeflecht

Einen Tag vor Ablauf der Frist für die Lizenzerteilung durch die österreichische Fußball-Bundesliga liegt die Zukunft des österreichischen Meisters FC Tirol scheinbar nur noch in den Händen von Präsident Othmar Bruckmüller. Nachdem der Tiroler RLB-Chef Fritz Hakl am Mittwoch seine Sanierungsbemühungen für den finanzmaroden Klub für beendet erklärte hatte ("Dem FC Tirol kann nicht einmal ein Wunder helfen"), muss Bruckmüller die geforderten 4,5 Millionen Euro bis Freitag 24 Uhr wohl aus seiner Privatschatulle beisteuern, will er einen Zwangsabstieg der Innsbrucker verhindern.

Wie schon vor einigen Tagen FC Tirol-Finanzvorstand Gerhard Bloder fordert auch Manager Robert Hochstaffl, dass Bruckmüller seiner Haftung für die Schulden des Vereins nachkommt (Bruckmüller hatte die Haftung für sämtliche Verbindlichkeiten der Innsbrucker bis zum Stichtag 30. Juni 2002 übernommen). "Ich spreche jeden Tag mit dem Präsidenten und er hat mir versichert, die Auflagen zu erfüllen", erklärte der Manager, gab aber auch zu, dass es "unsere einzige Chance ist, wenn Bruckmüller einspringt. Ich gehe davon aus, dass er die Probleme lösen wird und dann alles normal weitergeht."

Hochstaffls Firma im Visier der Staatsanwaltschaft
Unterdessen gerät Hochstaffls Unternehmen "Global" ebenso wie der FC Tirol und die FC Tirol-Marketing (im Besitz von Bruckmüller) immer mehr ins Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft. Unter die Lupe genommen werden sollen angebliche Steuerhinterziehungen sowie diverse Finanz-Transaktionen innerhalb des Firmengeflechts. "Es ist mir sogar recht, wenn alles genau untersucht und die Zusammenhänge angeschaut werden. Alle Zahlungsflüsse sind nachvollziehbar", erklärte dazu Hochstaffl. Entgegen anders lautenden Meldungen sei seine Firma nicht zahlungsunfähig. "Und die Transferrechte für die Spieler liegen nicht bei 'Global', sondern beim FC Tirol und damit bei Bruckmüller."

Bedient sich die Austria im Tiroler "Laden"?
Mit ebendiesen Transferrechten hofft Bruckmüller, der am Fronleichnamstag in Permanenz Sitzungen und Verhandlungen hatte ("Für mich ist es ein ganz normaler Arbeitstag"), noch den schwierigen Spagat zu schaffen. Bei einem Treffen am Dienstag zwischen dem Tirol-Präsidenten, Austria-Mäzen Frank Stronach und dessen Sportdirektor Peter Svetits in Unterwaltersdorf war über den Wechsel einiger Spieler vom Inn an die Donau verhandelt worden. "In meinen Überlegungen spielt Jürgen Panis natürlich eine Rolle. Auch Gilewicz ist interessant, weil es Probleme mit der Weiterverpflichtung von Rushfeldt gibt", meinte Svetits.

Svetits gegen Finanzspritzen von Stronach
Ein Spieler wie Michael Baur sei zwar "immer ein Thema", stehe aber derzeit auf seiner Wunschliste nicht ganz oben, eine Rückkehr von Patrik Jezek ins Horr-Stadion schloss Svetits aus. Der frühere GAK-Boss ist aber nicht gewillt, den Tirolern mit großzügigen Ablösezahlungen auf die Beine zu helfen. "Wenn ich Spieler haben will, zahle ich für sie den marktüblichen Preis. Es kann nicht sein, dass Stronach immer einspringen muss, wenn irgendwo dringender Geldbedarf herrscht."

30.5.2002 14:01