Freitag, 31. Mai 2002

Möllemann: "Haider soll sich zum Teufel scheren

  • FDP-Vize im Kreuzfeuer wegen antisemitischer Äußerungen
  • Kein Interesse an Kärntner Schützenhilfe gegen Zentralrat

Wegen antisemitischer Äußerungen, die ihm der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland vorwirft, ist FDP-Vize Möllemann zur Zeit im Kreuzfeuer der Kritik. Am Samstag hat er prominente Unterstützung aus Österreich, nämlich vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, erhalten. Davon will Möllemann aber nichts wissen: "Haider ist und bleibt ein Rattenfänger. Er soll sich zum Teufel scheren".

Haider hatte gegenüber deutschen Medien erklärt: "Möllemann vertritt eine Politik, die wir in Österreich schon seit 1986 machen." Er könne Möllemann nur empfehlen: "Kopf hoch und nicht gleich in Deckung gehen." Auch wenn der FDP-Vize auf Widerstand in der Parteispitze stoße, so dürfe er an der Parteibasis doch "mit großer Zustimmung rechnen", sagte Haider.

Die Wortwahl Möllemanns missfällt auch seiner eigenen Partei. Die FDP-Führung bedauert und missbilligt die Äußerungen. Offen blieb jedoch auch nach einer Sondersitzung des Parteivorstandes am Freitag, ob Möllemann sich bei Friedman entschuldigen wird. Der Zentralrat hatte dies zur Bedingung für ein klärendes Gespräch mit der FDP-Spitze gemacht.

Parteichef Guido Westerwelle erneuerte das Angebot für ein Treffen. Er wollte jedoch keine Angaben dazu machen, ob er Möllemann empfohlen habe, sich bei Friedman zu entschuldigen. In einer von Westerwelle eingebrachten "Berliner Erklärung" erteilte der Vorstand jeden Bestrebungen eine Absage, den Liberalen einen rechtspopulistischen Kurs aufzudrücken. Die FDP sei weder antiisraelisch noch antisemitisch.

Westerwelle verwies darauf, dass der Antrag einstimmig - also auch mit der Stimme Möllemanns - angenommen worden sei. Der Parteivorsitzende erklärte, auch "die andere Seite" müsse ihren Vorwurf zurücknehmen, die FDP oder einzelne ihrer Mitglieder seien antisemitisch. Diese Anschuldigung sei der "schlimmste Vorwurf, den man gegen einen Demokraten auffahren kann". Möllemann habe seinen Fehler eingeräumt.

31.5.2002 16:47