Mittwoch, 29. Mai 2002

Italiens Anti-Mafia Behörden ermitteln gg. Djukanovic

  • Beteiligung an krimineller Organisation & Zigarettenschmuggel
  • Staatsanwalt ermittelt bereits seit Monaten

Ist der Präsident Montenegros, Milo Djukanovic, in kriminelle Handlungen - wie etwa Zigarettenschmuggel - verwickelt? Die italienischen Anti-Mafia-Behörden haben jedenfalls Ermittlungen gegen ihn aufgenommen. Ihm wird Beteiligung an einer mafiaähnlichen Organisation vorgeworfen, die in den internationalen Zigarettenschmuggel verwickelt ist. Außerdem soll er Mafia-Bosse beschützt haben.

In den Sog der Ermittlungen sind auch einige der engsten Mitarbeiter Djukanovics geraten. Die Vergehen, die dem Präsidenten der kleineren jugoslawischen Republik vorgeworfen werden, sollen zwischen Ende der neunziger Jahre und 2000 begangen worden sein.

Djukanovic und seine Mitarbeiter sollen von einigen abtrünnigen Kronzeugen belastet worden sein, die in der Vergangenheit in den internationalen Zigarettenschmuggel verwickelt waren.

Keine diplomatische Immunität für Djukanovic
Der Anti-Mafia-Staatsanwalt Giuseppe Scelsi ermittelt bereits seit Monaten gegen internationale Mafia-Organisationen, die dank des Zigarettenschmuggels über die Adria Geschäfte in Milliardenhöhe machen. Die Ermittlungen gegen Djukanovic wurden eingeleitet, nachdem das römische Außenministerium bestätigt hatte, dass der montenegrinische Staatschef nicht durch seine politische Immunität geschützt sei, die in den internationalen Konventionen vorgesehen werden. Das Außenministerium bestätigte, dass Montenegro keine diplomatischen Vertreter im Ausland akkreditiert habe.

Schwere Vorwürfe gegen den montenegrinischen Präsidenten Milo Djukanovic hatte bereits im vergangenen Jahr der damalige italienische Finanzminister Ottaviano Del Turco erhoben. Laut Del Turco bestehe begründeter Verdacht, dass Djukanovic den Zigarettenschmuggel über die Adria nach Italien begünstige. Dies sei auch eine der wichtigsten Einnahmequellen des kleinen Landes.

Djukanovic soll Mafia-Bosse beschützt haben
Del Turco hatte Djukanovic auch vorgeworfen, mehrere flüchtige Mafia-Bosse beschützt zu haben. "Wenn alle Herren des Rauschgiftschmuggels mit den italienischen Justizbehörden zusammenarbeiten würden, würden wir staunen. In Montenegro würde es zu einem Erdbeben kommen, das Djukanovic vernichten würde", hatte Del Turco in einem Interview erklärt, das in Montenegro für Entrüstung gesorgt hatte.

Djukanovic-Sprecherin weist Vorwürfe zurück
Eine Sprecherin von Djukanovic hat am Mittwoch die von der italienischen Justiz erhobenen Vorwürfe zurück gewiesen. "Wir dementieren entschieden, dass Djukanovic jemals in irgendwelche illegale Aktivitäten verwickelt war", erklärte die PR-Beauftragte Vinka Jovovic gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Bei den Vorwürfen, so Jovovic, handle es sich um "Spekulationen", die immer dann in den Medien auftauchten, wenn es darum gehe, die Politik Montenegros und die Person des Präsidenten zu diskreditieren. Entsprechendes sei bereits in der Zeit des früheren jugoslawischen bzw. serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic passiert. Es wäre logisch, "wenn eine Institution offiziell jemanden, an dem sie ein Interesse hat, davon in Kenntnis setzt". Djukanovic sei jedoch von der italienischen Justiz nicht informiert worden.

29.5.2002 15:53